São Gabriel da Cachoeira

Veröffentlicht am 8. Dezember 2011 - 10:49h

Der am 03. September 1668 gegründete Ort São Gabriel da Cachoeira im Bundesstaat Amazonas, befindet sich am linken Ufer des Rio Negro, 850 km entfernt von der Hauptstadt Manaus – und zwar in Luftlinie, denn dorthin gelangt man nur per Flugzeug oder per Boot – ist allerdings dann gegen die Strömung des Negro etwa eine knappe Woche unterwegs. “São Gabriel“ liegt im Grenzgebiet zu Kolumbien und Venezuela – ausserdem ist der Ort Ausgangspunkt für Touren zum höchsten Berg Brasiliens, dem “Pico da Neblina“, mit 3.014 Meter.

Das Städtchen wird eingerahmt vom Amazonas-Regenwald und seinen imponenten Randgebirgen – wie zum Beispiel der “Serra da Bela Adormecida“ – Naturspektakel, wie die Stromschnellen des Rio Negro, die herrlichen Flussstrände mit weissem Sand, Wasserfälle und bewaldete Hügel sind jeden Besuch wert.

Auf einem Gang durch das kleine Stadtzentrum kann man die wesentlichen Stätten der Kultur mühelos kennenlernen – die Kirche – das Kolleg São Gabriel, von dem aus man einen interessanten Blick auf den Rio Negro hat – den Sitz der “Federação das Organizações Indígenas do Alto Rio Negro – FOIRN“ (Organisation der Indianervölker des Rio Negro), wo man indigenes Kunsthandwerk kaufen kann, Publikationen dieser Völker einsehen und historische Fotos betrachten kann.

Zirka 90% der Bevölkerung von São Gabriel da Cachoeira sind Indios oder stammen von Indios ab. Der grösste Teil des Munizips setzt sich aus Indianer-Territorien (IT) zusammen und kann nur mit einer Genehmigung der FOIRN betreten werden. Die Region vereint entlang des Mittleren und Oberen Rio Negro insgesamt 430 Ansiedlungen, welche zirka 35.000 Indios aus 23 Völkern beherbergen. Zusammen repräsentieren sie 10% der indigenen Bevölkerung Brasiliens.

Man erreicht São Gabriel am besten und praktischsten per Flugzeug, in etwa zwei Stunden – Abflug von Manaus.

Sehenswürdigkeiten

Parque Nacional do Pico da Neblina

Dieser Nationalpark ist der zweitgrösste Brasiliens und drittgrösste Lateinamerikas. Er präsentiert atemberaubende landschaftliche Szenarien unterschiedlicher Art. Unter seinen Hochgebirgsformationen befindet sich der höchste Berg Brasiliens, der “Pico da Neblina“ (3.014 m) – permanentes Forschungsziel von Wissenschaftlern – und auch Brasiliens zweithöchster Berg, der “Pico 31 de Março“, (mit 2.992 m), ragt aus derselben Gebirgskette auf, die Brasilien vom Nachbarland Venezuela trennt. Die Vegetation in diesem Gebiet präsentiert sich in vielen kontrastierenden Formationen und beherbergt eine der umfangreichsten Artenvielfalt des Landes, mit vielen bedrohten Spezies. Besuche im Park müssen vereinbart werden und sind nur in Begleitung eines Guide durchführbar.

Für Informationen steht folgende Telefonnummer zur Verfügung: +55 (97) 3471-1617.

Reserva Biológica Estadual Morro dos Seis Lagos

Dieses biologische Reservat befindet sich innerhalb des Nationalparks Pico da Neblina, Mittelpunkt sind die sechs Seen in unterschiedlichen Farben – ein Phänomen, welches sich durch unterschiedliche Mineralien erklärt, die im jeweiligen Wasserbett lagern. An diesem Ort wurden wertvolle Reserven an Niob (Nb) festgestellt, einem Schwermetall, das für die Herstellung von Spezialstahl verwendet wird und die Verschweissbarkeit verbessert, ausserdem grosse Mengen an Tantalit und Cassiterit. Das Reservat fällt mit dem IT “do Balaio” zusammen und kann nur zu edukativen und Forschungszwecken besucht werden. Die Flora dort besteht aus kleineren Bäumen und Buschwerk, die Fauna wird von Jaguaren und Ozelots gekrönt. Der häufigste Vogel ist, wie fast überall im Regenwald, der “Capitão-do-mato“ (volkstümlich: Kapitän des Waldes – Lipaugus vociferans) eine Art Wächter des Waldes, der mit seinem typischen Ruf alle Tiere vor der Begegnung mit dem Menschen warnt. Es gibt an diesem Ort wenig Wasser – das Wasser der Seen ist nicht trinkbar, kann aber zum Baden genutzt werden.

Morro da Boa Esperança

Der “Hügel der guten Hoffnung” begleitet den Besucher beim Aufstieg mit einer Serie von Kacheln, die in die Felswand eingelassen sind und den Kreuzweg Christi darstellen. Oben angekommen, kann man die beiden Kapellen “Nossa Senhora Auxiliadora“ und “Cristo Cruzificado“ besichtigen – an der Seite zwei gigantische Felsbrocken, die sich auf kleineren Felsen in der Balance halten.

Serra Serra de Curicuriari

Diese Bergkette wird auch “Serra da Bela Adormecida“ genannt, nach dem Dornröschen aus dem Märchen der Gebrüder Grimm, das auch in Brasilien bekannt und beliebt ist. Die Berge gleichen einer liegenden Frau mit Gesichtsprofil, kräftigem Busen und welligen langen Haaren, die etwa 30 km vom Städtchen entfernt, bis heute auf den erlösenden Kuss des Prinzen wartet, der sie aufweckt.

Praia Grande

Dieser und viele andere Flussstrände im Rio Negro sind temporärer Natur, sie werden nur zwischen September und Januar sichtbar, wenn der Wasserspiegel gefallen ist – während der Trockenperiode. Die “Praia Grande“ ist ein etwa 500 Meter langer Sandstreifen mit eiskaltem Wasser davor, durch zahlreiche Bäche und kleinere Wasserläufe, die vom “Pico da Neblina“ herab strömen. Lassen Sie sich nicht durch das scheinbar ruhige Wasser täuschen, denn die Strömung des Flusses ist gefährlich.

Linha do Equador

Die imaginäre Äquatorlinie verläuft über die BR-307 – etwa bei Kilometer 25. Auf der Strasse gibt es ein Schild und einen Zementblock, von denen die Linie angezeigt wird, welche unsere Erdkugel in zwei Teile trennt.

Indianerdörfer

Der Obere Rio Negro wird in erster Linie von den Stämmen der Tucano, Yanomâmi und Baniva geprägt. Ihre Dorfgemeinschaften haben sich ihre Sitten und Gebräuche bewahrt. Man kann sie mit Erlaubnis der FUNAI auch besuchen – man erreicht ihre Siedlungen nur auf dem Wasserweg, mit Schnellbooten, die dafür zwischen 6 und 12 Stunden brauchen.

Informationen über die Besuchserlaubnis bei der FUNAI: Tel. +55 (92) 3471-1187

Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)