Barcelos

Veröffentlicht am 18. Dezember 2011 - 10:00h

Barcelos liegt ebenfalls am rechten Ufer des gewaltigen Rio Negro, im Bundesstaat Amazonas, ist 396 km (Luftlinie) von Manaus entfernt – in nordwestlicher Richtung – und 496 km auf dem Wasserweg, den Rio Negro aufwärts. Nach einer Zählung von 2010 hat das Städtchen rund 26.500 Einwohner, und das Munizip Barcelos hat eine Fläche von 122.476 Quadratkilometern. Dieses Munizip ist damit grösser als einige Bundesstaaten Brasiliens – eine Bevölkerungsdichte in diesem riesigen Gebiet liegt deshalb nur bei 0,23 pro km2.

Das Städtchen wurde 1931 gegründet und präsentiert dem Besucher ein enormes touristisches Potenzial von ungeahnter landschaftlicher Schönheit. Eine wirtschaftlich bedeutungsvolle Einnahmequelle ist der Export ornamentaler Aquarienfische. Der Ort ist aus einem Dorf der Indios Manau hervor gegangen, das damals “Mariuá“ hiess, gelegen am Mittellauf des Rio Negro. Im Jahr 1758 wurde es zur “Vila“ erhoben und bekam den Namen Barcelos – ausserdem machten es die Portugiesen zur ersten Hauptstadt der “Capitania de São José do Rio Negro“ – heute Bundesstaat Amazonas.

Und in diesem Munizip nun findet sich der grösste Flussarchipel der Welt – genannt “Mariuá“ – mit zirka 1.400 Inseln, die auch international nicht mehr ganz unbekannt sind wegen ihres Handels mit ornamentalen Fischen und als Anglerparadies, wo diese “Sportler“ in erster Linie hinter einer bestimmten Beute her sind: dem “Tucunaré“ (Cichla spp.) – nicht nur weil er gut schmeckt, sondern vor allem, weil er gut kämpft! Im selben Territorium befindet sich auch der Nationalpark “Parque Nacional do Jaú“ – der Staatspark “Parque Estadual do Araçá” und das Reservat “Área de Preservação Ambiental de Mariuá”.

Im Munizip von Barcelos befindet sich der Wasserfall “Cachoeira do El Dorado” – der grösste freie Fall Brasiliens, mit fast 360 Metern Höhe! Ausserdem entdeckten wir in Barcelos die “Höhle Guy Collet“ – sie wird als tiefste Höhle Brasiliens bezeichnet.

Die Wirtschaft der Bevölkerung beruht hauptsächlich auf der Produktion von Landwirtschaft und Viehzucht – Anbau von Bananen, Reis, Maniok und Sammeln von Paranüssen, Holzabbau, Latexsammeln, und andere Produkte, die der Regenwald den Menschen zur Verfügung stellt. Ihre Produktion übertrifft den Eigenbedarf des Munizips nicht, man muss sogar den grössten Teil an Bedarfsgütern und auch Nahrungsmitteln importieren. Die Rinderzucht ist minimal – nur zum Eigenbedarf. Der Fischfang ist individuell, mit zirka 700 essbaren und ornamentalen Spezies – letztere werden nach Europa, Asien und die USA exportiert.

Sehenswürdigkeiten

Arquipélago Mariuá

Der gigantische Archipel – die grösste Flussinselgruppierung der Welt mit 1.400 Inseln – enthält ein Mosaik an unterschiedlichen Ökosystemen im schwarzen Wasser des Rio Negro, die zu den empfindlichsten Amazoniens gehören, sie beherbergen Flüsse, Bäche und Seen, überflutete Wälder, sandige Strände, Savannen und Sumpfgebiete. Zirka 30 Kommunen präsentieren eine interessante sozio-kulturelle Vielfalt. Allerdings sind viele dieser Bewohner – hauptsächlich Flussanlieger und Indios – sehr stark abhängig von den Ressourcen, die ihnen die Natur gewährt, und das führt immer wieder zu diversen Konflikten.

Cachoeira do El Dorado

Dieser Wasserfall ist der höchste Brasiliens, mit einem freien Fall von 353 Metern. Er befindet sich auf dem “Monte Tantalita“, in der Serra do Curupira, innerhalb des Munizips von Barcelos, von der Stadt 211 Kilometer entfernt. Dieselbe Region ist eine der wildesten und unberührtesten der Erde – hier findet man mehrere Berge mit über 2.000 Metern Höhe, reissende Flüsse, Flussinseln und Strände mit weissem Sand.

Parque Estadual Serra do Aracá

Dieser Staatspark (Amazonas) wurde 1990 im Munizip von Barcelos gegründet – er hat eine Fläche von 1.818.700 Hektar. In seinem Innern verläuft der Rio Aracá, der den gleichnamigen Wasserfall “Cachoeira do Aracá“ hervorbringt, und der mit 365 Metern freiem Fall den “Cachoeira do Eldorado“ noch übertrifft. Allerdings befindet er sich in einem schwer zugänglichen Abschnitt des Nationalparks.

Praia Grande

Hier haben wir den von Touristen in Barcelos meist besuchten Flussstrand vor uns. Er befindet sich direkt vor dem Sitz des Munizips, getrennt nur durch das Wasser des Rio Negro, in zirka einem Kilometer Entfernung. Man erreicht ihn leicht per Boot – er ist riesig weit, und deshalb finden an diesem Strand die grossen Feten an Karneval und Silvester statt, und zahlreiche “Luais“ (Strandparties bei Vollmond. Der Strand wird sichtbar zwischen September und März, wenn die Trockenperiode einsetzt, und der Wasserspiegel sinkt.

Praia da Ilha do Governador

Die “Gouverneurs-Insel” befindet sich vor der Stadt Barcelos – etwa 700 Meter entfernt. In der Trockenperiode erscheinen Sandstrände, die sich fast um die gesamte Insel ziehen, was sie zu einer schönen Freizeit-Alternative für Gross und Klein prädestiniert.

Parque Nacional do Jaú

Dies ist der grösste Regenwald-Nationalpark Brasiliens und der ganzen Welt – 2.377.899,00 Hektar zusammen hängendem, tropischen, halbfeuchten und intakten Primär-Regenwaldes – das gibt es nirgendwo anders auf unserem Planeten – nicht mehr!

Der Jaú-Nationalpark erstreckt sich zwischen Novo Airão und Barcelos, nördlich des Amazonasstroms, und trägt den Namen des bedeutendsten Flusses, der ihn durchquert und eines der grössten brasilianischen Fische – dem Jaú (Paulicea luetkeni). Heute ist dieses ökologische Paradies Vorbild der “Einheiten zur Erhaltung der Natur Amazoniens“ – zusammen mit den Reservaten “Reservas de Desenvolvimento Sustentável de Amanã“ und “Mamirauá“ bildet er der Welt grössten unter Schutz gestellten biologischen Korridor – mit mehr als 5,7 Millionen Hektar primären Regenwaldes!