Brasiliens Ureinwohner

Veröffentlicht am 25. November 2011 - 00:17h

Es gibt in Brasilien 230 indigene Völker und die Ureinwohner sprechen 180 Sprachen. Davon basieren die meisten auf zwei linguistischen Sprachstämmen, dem Tupi und dem Makro-Jê – der Rest aus verschiedenen anderen Sprachfamilien. Nur etwa die Hälfte dieser Sprachen ist wissenschaftlich klassifiziert worden. Im ganzen Land gibt es 643 Indianer-Territorien (ITs) in unterschiedlichen Identifizierungs- und Regulierungsetappen – sie summieren sich zu einer Gesamtfläche von 1.103.965 Quadratkilometern – zirka 13% des nationalen brasilianischen Territoriums.

Noch nie hat man eine spezifisch indigene Volkszählung für das ganze Land vorgenommen, aber nach der letzten Zählung der gesamtbrasilianischen Bevölkerung durch das „Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística“ (IBGE), im Jahr 2000, haben sich mehr als 734.000 Personen als “indigen“ erklärt. Schätzungen des ”Instituto Socioambiental” (ISA), die auf der Bevölkerung der ITs basieren, ergaben eine Zahl für die brasilianischen Indianer von ungefähr 450.000.

Im “legalen Amazonien“ leben 173 Völker in 405 ITs, auf insgesamt 1.085.890 Quadratkilometern – das sind 21,7% der Region. Aus den Daten der ISA leben zirka 160.000 Indios in dieser Region (1,15% der Bevölkerung Amazoniens). Die Indianer-Territorien in Amazonien entsprechen 98% der ITs in Brasilien. Darüber hinaus gibt es Referenzen bezüglich weiterer 46 “isolierten“ indigenen Gruppen, ohne offiziellen Kontakt mit dem Staat und der sie umgebenden Gesellschaft – über die hat man keine genauen Informationen hinsichtlich Standort und ihrer ethnischen Zugehörigkeit.

Ab und an versuchen gewisse Elemente, die den Rechten der Eingeborenen ablehnend gegenüber stehen, die nationale Gesellschaft zu verunsichern, indem sie die Idee verbreiten, dass “es zuviel Land für zu wenige Indios“ sei oder, dass die Demarkation der ITs, besonders im Grenzgebiet, ein Risiko für die nationale Sicherheit bedeute. Jedoch ist die Realität eine ganz andere. Die Regulierung jener Areale geschieht in der Absicht, die Grundbesitzkonflikte beizulegen und sichert die Integrität des brasilianischen Territoriums ab, denn diese Gebiete sind laut Verfassung Erbe der Union.

Die Schaffung der ITs verringert nicht die der Landwirtschaft zur Verfügung stehende Gesamtfläche – die mehr als genug ist für ihre Expansion im Land. Die Regierung und die landwirtschaftliche Führungsspitze sind sich einig, dass eine Wiederinbetriebnahme degradierter oder verlassener Besitzungen die landwirtschaftliche Produktion vervielfältigen kann, ohne dass man weitere Flächen abholzen muss. Und nach einer Meinungsumfrage (2000), die von der ISA in Auftrag gegeben wurde, befürwortet die Mehrheit der brasilianischen Bevölkerung (68%) die Demarkation der ITs in der gegenwärtigen Grösse.

Die Befragten beurteilten die drei grössten Probleme der Índios wie folgt:
  • Invasion der ihnen zugesprochenen Ländereien: (57%)
  • Nichtrespektierung ihrer Kultur: (41%)
  • und von den Weissen übertragene Krankheiten: (28%).

Die Rechte der indigenen Bevölkerung in der Verfassung

Die Föderative Verfassung Brasiliens garantiert die “Geburtsrechte“ der Indios auf ihre Territorien: Sie erkennt an, dass die Indios diese Territorien bereits vor der Bildung des Nationalstaates bewohnten, und deshalb diese Rechte vor allen anderen anzuerkennen sind. (Die indigene Besetzung Amazoniens reicht mindestens 10 Millionen Jahre zurück). Die “Carta Magna” sichert den Indios den permanenten Besitz und das exklusive Nutzungsrecht der Bodenschätze, der Flüsse und der Seen innerhalb der ITs zu. Nach Paragraf 01 des Artikels 231 versteht man unter den “traditionell durch Indios besetzten Territorien“ jene Gebiete, die “von ihnen permanent bewohnt, für ihre produktiven Aktivitäten genutzt, unverzichtbar für die Erhaltung von ambientalen Ressourcen sind, die für ihr Wohlbefinden, ihre physische und kulturelle Reproduktion unabdinglich sind – entsprechend ihrer Sitten, Gebräuche und Traditionen“.

Und des weiteren steht in der Verfassung, das die Öffentliche Hand verpflichtet ist, mittels der “Fundação Nacional do Índio (FUNAI)“, die Anerkennung der ITs durch erklärenden Akt zu promovieren und ihre Grenzen publik zu machen, ihren Schutz zu garantieren und ihre Besetzung durch Dritte zu verhindern. Der formale Anerkennungsprozess dieser Territorien geschieht in Etappen und unterliegt einigen administrativen Verfahren, welche bereits vom “Estatuto do Índio“ aus dem Jahr 1973 festgelegt wurden, später geändert und heute im Dekret 1.775/96 zur Verfügung stehen.

Die ITs haben eine fundamentale Bedeutung sowohl als Schutz der Rechte und der indigenen Kultur, als auch zur Erhaltung des Regenwaldes. Darüber hinaus beliefern sie unzählige Städte mit den verschiedensten Produkten. Viele Indianer-Territorien werden allerdings immer wieder von Landbesetzern, Holzfällern, Farmern, Goldsuchern, Anglern und Jägern besetzt, die sich die dort erhaltenen Naturressourcen illegal aneignen wollen.

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