Ureinwohner Tocantins

Veröffentlicht am 25. November 2011 - 14:28h

Die Ureinwohner Tocantins präsentieren eine Bevölkerung von zirka 6.000 Personen, die weiter wächst. Im Bundesstaat leben die Xerente (sie nennen sich selbst “Akwen“), die Karajá, Javaé und Xambioá (das Volk der “Iny“), die Apinajé (sie nennen sich selbst “Panhi“) und die Krahô (sie nennen sich “Meri“). Diese Volksstämme besitzen eine reiche, antike Kultur und eine kriegerische Geschichte, in der es um ihr Überleben geht – sie haben ihre angestammten Rituale und Feste als Verbindung mit ihrer Vergangenheit beibehalten.

Die Regierung von Tocantins leistet ihren Beitrag zur Erziehung dieser Eingeborenen, in dem sie zweisprachige Lehrer aus den entsprechenden Dörfern ausbildet, die dann den Kindern und Jugendlichen Schreiben und Lesen in ihrer eigenen Sprache beibringen sollen – ausserdem soll damit ein Beitrag zur Erhaltung der oralen Überlieferung ihrer Stammesgeschichte geleistet werden und zur Aufwertung ihrer Kultur und Tradition. Es wurden inzwischen 61 Schulen in den Dörfern eingerichtet, die 2.269 Schüler unterrichten.

Die Völker der Karajá, Javaé und Xambioá

Diese drei Gruppen entstammen einem einzigen Volk, das sich selbst als “Iny“ bezeichnet. Sie gehören dem Sprachstamm Macro-Jê, aus der Familie Karajá und der Sprache Karajá an. Das heisst in diesem Fall, dass diese drei Gruppen dieselbe Sprache sprechen – sie kamen aus dem Norden, dem Unterlauf des Araguaia, vor 1500. Sie unterhielten ihre Dörfer getrennt voneinander, wegen ihrer Kämpfe gegen die Nicht-Indianer. Die Karajá sind vor allem Fischer und Sammler, obgleich sie heute auch Felder bestellen.

Wie der Indianerforscher Darcy Ribeiro berichtet, sind diese Indianer stets gewandert, bis sie zur Ilha do Bananal kamen. Dort leben heute 1.600 Karajá in acht Dorfgemeinschaften und 849 Javaé, am Ufer des Rio Javaé, in neun Dorfgemeinschaften. Die Xambioá – sie selbst nennen sich “Hirarumarandu“, leben heute in zwei Dörfern, mit einer Bevölkerung von 182 Personen, in der Nähe von Santa Fé und Xambioá.

Das Hetoroky-Fest – die Initiation der Knaben zu Erwachsenen – vereint Karajá-Familien der abgelegensten Dörfer und wird gefeiert mit Tänzen, Wettkämpfen und reichhaltigem Essen im Sinne einer uralten Tradition. Die Karajá sind wahre Küstler in der Herstellung traditioneller Keramik. Die Frauen fertigen Tierfiguren, mythische Figuren und solche, die sich auf ihre Gegenwart beziehen – besonders ihre Keramik-Puppen (Ritxokô) sind begehrte kunsthandwerkliche Souvenirs in den Geschäften der Städte.

Karajá-Dörfer: Santa Isabel do Morro, Fontoura, Tutemã
Javaé-Dörfer: Txuiri, Gantanã, Boto Velho, Wari Wari, São João, Cachoeirinha, Manalué, Barreira Branca
Xambioá-Dörfer: Xambioá und Kurerê.

Das Volk der Xerente

Sie nennen sich selbst “Akwen“ – das bedeutet “Individuum“ oder “bedeutende Leute“. Sie wechselten einst wahrscheinlich aus dem trockenen Nordosten in den Norden, wo sie genügend Wasser fanden. Ihre ersten Kontakte mit den “Bandeirantes“ datieren aus dem Jahr 1738.

1840 akzeptierten die Xerente eine Besiedelung in Teresa Cristina, dem heutigen Tocantínia, auf einen Vorschlag des Paters Antônio de Ganges hin. Heute leben sie am rechten Ufer des Rio Tocantins, in einem Gebiet von 183.542 Hektar, in der Nähe der Stadt Tocantínia. Ihre Bevölkerung besteht aus 1.800 Personen, verteilt auf 31 Dörfer. Ihre Existenz haben sie stets von der Erde und vom Fluss bestritten – von der Jagd und vom Fischfang – heute auch von Feldern zum Eigenbedarf, wo sie Mais, Reis und Maniok pflanzen. Sie fertigen ein paar Gebrauchsgegenstände aus dem Stroh der Babaçu-Palme an – Körbe, Matten, Fächer, Hängematten und Taschen.

Die Xerente gehören der Sprachfamilie Macro-Jê an und sind in Kontakt mit Nicht-Indianern seit zirka 200 Jahren. Sie haben viel durch ihre benachbarten Kommunen gelernt und einiges übernommen, was ihnen sinnvoll erschien – sie leben allerdings auch ihre eigene Kultur und Tradition im Respekt vor ihrer eigenen Geschichte. Fast bei jedem ihrer Feste führen sie auch den Stafettenlauf mit Holzklötzen durch, bei dem Männer und Frauen ihre Kraft und ihren Mut präsentieren.

Xerente-Dörfer: Funil, Bela Vista, Cercadinha, Brejo Comprido, Serrinha I e II, Centro, Agua Fria, Rio do Sono, Mirasol, Recanta, Baixa Funda, Brejinha, Salto, Porteira, Aldeia Nava, Sangradouro, Lajeadinho, Cabeceira, Morrinho, Recanto da Agua Fria, Novo Horizonte, ZéBrito, Aldeinha, Rio Preto, Bom Jardim, Paraío, Baixão, Traíra, Ponte, Mirasol Nova.

Das Volk der Krahô

Sie leben in einem demarkierten Gebiet von 302.533 Hektar, in der Nähe der Städtchen Itacajáe und Goiatins, in 15 Dorfgemeinschaften und einer Bevölkerung von 1.500 Personen. Ihr Reservat wird als die gepflegteste Cerrado-Zone Brasiliens angesehen.

Die Krahô gehören dem Sprachstamm Macro-Jê, der Familie Jê, an, sie sind Nachkommen der nördlichen Timbira-Nation. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bewohnten sie das Gebiet des Rio Balsas im Bundesstaat Maranhão. Das Dorf “Pedro Afonso“ wurde 1849 von dem Missionar Rafael de Taggia gegründet. Die Krahô hatten sich stets gegen den Druck von invadierenden Landbesetzern zu wehren. 1940 erlebten sie ein Massaker durch skrupellose Viehzüchter – diese Geschichte ist eingegraben in der Erinnerung der Ältesten ihres Volkes. Die Krahô glauben, dass alle Wesen, ob Tiere, Pflanzen oder Mineralien, Seelen besitzen, die sie “Karõ“ nennen.

Ein ihnen heiliges Symbol ist Mittelpunkt ihrer traditionellen Verehrung. Dabei handelt es sich um eine kleine Steinaxt, die sie “Khoyré“ nennen – sie glauben, dass diese Relique die Harmonie und den gegenseitigen Respekt innerhalb der Kommune bewahrt. Wie alle Völker aus der “Macro-Jê“ Familie haben sie die Tradition des Stafettenlaufs mit Buriti-Palmstämmen beibehalten. Sie fertigen geflochtene Artefakte an und sind sehr geschickt im Zusammenstellen von bunten Ketten und Armbändern aus Samenkernen von Waldfrüchten.

Sie unterhalten politische und geschäftliche Verbindungen zu den Weissen als Garantie ihrer existenziellen Bedürfnisse innerhalb dieser interethnischen Gemeinschaft. Das Territorium ihres Lebensraumes gehört jedem einzelnen Stammesmitglied. Die Dörfer sind politisch unabhängig von einander, die Hütten bilden einen Kreis um einen grossen, zentralen Platz, auf dem sich die Dorfbewohner versammeln, um die tägliche Arbeitsteilung zu besprechen, die nach Geschlecht und Alter der einzelnen Teilnehmer aufgeteilt wird.

Gegen Abend versammeln sie sich, um zu singen, zu spielen und Geschichten zu erzählen. Obwohl sie bereits vor unzähligen Problemen auf ihrem Land standen, haben sie sich ihre Kultur und Traditionen bewahrt.

Sie zelebrieren das “Kartoffel-Fest“ (Panti – nach der Süsskartoffelernte während des Sommers) – das “Mais-Fest“ (Pônhê – auch nach der entsprechenden Ernte) – die “Initiation der Kinder“ (Wythô) – den “Markt der Samenkerne“ und den “Wettlauf mit den Buriti-Palmstämmen“ (unter Teilnahme von Männern und Frauen, deren Palmen-Klötze für das jeweilige Fest prepariert werden).

Krahô-Dörfer: Rio Vermelho, Manoel Alves Pequeno, Cachoeira, Pedra Branca, Macaúba, Pedra Furada, Campos Lindos, Agua Branca, Riozinho, São Vidal, Morro do Boi, Serra Grande, Forno Velho, Santa Cruz e Lagoinha.

Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)