Carimbó Tanz

Veröffentlicht am 2. Dezember 2011 - 14:28h

Carimbó-Tanz – die aussergewöhnlichste Darbietung künstlerischer Kreativität des Volkes aus Pará ist von den historischen Tupinambá-Indianern einst geschaffen worden. Wie die Historiker berichten, hatte dieses indigene Volk eine ganz ungewöhnliche künstlerische Begabung, weswegen sie von anderen indigenen Völkern ihrer Epoche wie Halbgötter angesehen wurden.

Ursprünglich, also von den Indianern, wurde der “Carimbó“ relativ schleppend und monoton dargestellt – wie das bei den meisten indigenen Tänzen üblich ist. Als später die afrikanischen Sklaven mit dem Tanz der Tupinambá in Kontakt kamen, begannen sie, ihn zu perfektionieren – erst einmal beschleunigten sie den monotonen Rhythmus, jetzt vibrierte er als eine Art Variante des afrikanischen “Batuque“. Und er infizierte sogar die portugiesischen Kolonisatoren, die aus Interesse an Handwerkern für die verschiedensten Arbeiten, diese Tanzveranstaltungen nicht nur förderten, sondern sogar an ihnen teilnahmen, und damit ihre eigenen tänzerischen Ausdrucksformen mit einbrachten. Man erkennt in bestimmten Passagen des “Carimbó“ deutlich einige typische Bewegungen der lusitanischen Volkstänze – zum Beispiel, wenn die Tänzer mit Finger-Klicken den Rhythmus der Musik begleiten, als ob sie Kastagnetten in ihren Händen hielten.

Choreografie

Der Tanz wird von Paaren präsentiert. Er beginnt mit zu zwei Reihen aufgestellten Männern und Frauen, die einander das Gesicht zuwenden. Mit Einsetzen der Musik bewegen sich die Männer auf die Frauen zu und klatschen vor ihnen in die Hände als Aufforderung zum Tanz. Die Paare formieren sich und drehen sich nun um sich selbst – alle zusammen bilden dabei einen grossen Kreis, welcher sich gegen den Uhrzeigersinn dreht. Jetzt kann man den indigenen Einfluss erkennen: Mit einem Fuss stampfen die Tänzer im Rhythmus der Musik auf den Boden auf und biegen ihre Körper im gleichen Takt weit nach vorne.

Die Frauen, charmant zurechtgemacht, pflegen dann ihren Partner zu foppen, indem sie, den Saum ihres Rockes in der Hand, auf einen Moment warten, indem er abgelenkt ist, um ihm dann diesen Teil ihrer femininen Ausstattung ins Gesicht zu schleudern. Das löst dann jedes Mal Schreie und Gelächter der anderen Tänzer aus. Und derjenige unter den Kavalieren, der von seinen eigenen Kollegen ausgelacht wird, ist gezwungen, die Tanzfläche zu verlassen.

In einem bestimmten Abschnitt des Tanzes begibt sich ein Paar in die Kreismitte zur Präsentation des “Truthahn-Tanzes“ – die Dame breitet ihr Taschentuch auf dem Boden aus, und ihr Partner muss das Tuch nur mit seinen Lippen aufheben. Wenn ihm das nicht gelingt, wirft ihm die Dame enttäuscht den Saum ihres Rockes ins Gesicht, und unter den Buh-Rufen seiner Kollegen und des Publikums muss er die Tanzbühne verlassen. Aber wenn er es schafft, bekommt er Applaus.

Ausstattung, Kostüme

Alle Tänzer und Tänzerinnen präsentieren sich barfuss. Die Frauen tragen bunte, weite Röcke mit Fransen, einfarbige Blusen, Armreifen und Halsketten aus grossen Fruchtkernen. Ihre Haare sind eingefasst mit Rosen- oder Jasminzweigen. Die Männer tragen hellblaue Hosen und Hemden in gleichem Farbton, die Hemdzipfel über dem Nabel verknotet, ausserdem ein rotes Halstuch.

Namensgebung

“Dança do Carimbó“ stammt aus der Indianersprache und bezieht sich auf die beiden tonangebenden Trommeln. In der Tupi-Sprache bedeutet “Curi“ (Holz) und “Mbó“ (Hohl oder durchbrochen) – an einigen Orten des Interiors von Pará benutzt man noch heute den Originalnamen “Curimbó“.

Typische Instrumente

Die Begleitung dieses Tanzes besteht obligatorisch aus jenen, schon beschriebenen, beiden Trommeln mit unterschiedlichen Dimensionen, um den Tonkontrast zu produzieren. Die beiden Trommler sitzen rittlings auf diesen Trommeln und bearbeiten sie mit Schlegeln. Weitere obligatorische Begleitinstrumente sind die Ratsche, das Banjo, die Flöte, die Rasseln und Tamburine. Diese Instrumente bilden zusammen eine charakteristische Sound-Gruppe – ohne irgendwelche elektronischen Instrumente.