Siriá Tanz

Veröffentlicht am 2. Dezember 2011 - 14:25h

Der Siriá Tanz ist der bekannteste Volkstanz des Munizips Cametá und eine der schönsten choreografischen Kreationen des Bundesstaates Pará. Vom Gesichtspunkt der Musik aus betrachtet, handelt es sich um eine Variante des afrikanischen “Batuque“, die im Lauf der Jahre Veränderungen erfahren hat, die den Tanz ausserordentlich bereichert haben.

Und hier ist die Geschichte des “Siriá“

Die schwarzen Sklaven fanden sich zur Arbeit auf den Plantagen fast ohne eine Verpflegung ein. Ausruhen durften sie nur am späten Nachmittag – da war es ihnen erlaubt, zu jagen oder zu fischen. Weil aber die Dunkelheit die Jagd im Wald behinderte, fanden sie sich in der Regel am Meeresstrand ein, um vielleicht ein paar Fische zu fangen. Aber auch die paar Fische waren nicht genug, um den Hunger aller zu stillen.

Dann geschah es eines Nachmittags – es kam ihnen vor wie ein Wunder – dass der Strand mit Hunderten von Meereskrebsen (die man in Brasilien “Siris“ nennt) bedeckt war, die sich leicht fangen liessen und gegrillt den Hunger der Sklaven stillten. Und weil sich dieses Wunder an den darauf folgenden Nachmittagen wiederholte, kreierten die satten Sklaven einen Tanz zu Ehren dieses Wunders. In ihrem einfachen Sprachgebrauch pflegten sie die Kaffeepflanzen mit “Cafezá“ zu bezeichnen – die Reispflanzung mit “Arrozá“, die Zuckerrohrpflanzung mit “Canaviá“ – also gaben sie dem Strand, an dem sie jeden Nachmittag die Siris fanden, den Namene “Siriá“. Und dieser Name ist ihrem Tanz geblieben.

Choreografie

Angelehnt an den afrikanischen “Batuque“ beginnt der “Siriá“ langsam und verhalten – dann, entwickelt sich der Rhythmus zusammen mit der Intensität der Verse – er wächst und wächst, bis er sich schliesslich zu einem fast frenetischen Rhythmus steigert. Der “Siriá-Tanz“ präsentiert eine abwechslungsreiche Choreografie, die sich nach den gesungenen Strophen richtet – beim Refrain drehen sich die Paare mit durchgebogenem Körper nach beiden Seiten. In der Choreografie des “Siriá“ kann man Elemente der drei unterschiedlichen Rassen erkennen, von denen er geprägt wurde: Der Rhythmus ist afrikanisch – der körperliche Ausdruck in bestimmten Momenten stammt von den Índios, und die hochgestreckten Arme sind Tanzkomponenten der portugiesischen Volkstänze.

Musikalische Begleitung

Wie beim “Carimbó“ sind als typische Instrumente zwei Trommeln unterschiedlicher Dimensionen zu nennen – für die höheren Töne eine schmalere und kleinere Trommel, und für die tieferen eine breitere, grössere Trommel. Des Weiteren animieren Ratsche, Banjo, Flöte und Rassel die Schritte der Tänzer, und der Gesang wird von zwei Vorsängern bestimmt.

Ausstattung, Kostüme

Man nennt den “Siriá“ auch den “Tanz der idyllischen Liebe“ – die Tänzer und Tänzerinnen treten in bunten Kostümen auf. Die Frauen mit schönen, mit weisser Spitze besetzten Blusen, weiten Reifröcken, Armbänder und Halsketten aus Muscheln und Samenkernen, sowie Blumenschmuck auf dem Haar. Die Männer ebenfalls barfuss, wie die Frauen, tragen dunkle Hosen und bunte Hemden, die vorne in einem Knoten enden. Sie tragen ausserdem einen kleinen Strohhut, der mit einem Blumensträusschen dekoriert ist, welches von den Damen in einem bestimmten Tanzabschnitt abgerissen und ausgelassen geschwenkt wird.