Holz-Mafia wütet weiter in Brasiliens Schutzgebieten

Veröffentlicht am 7. Dezember 2013 - 23:37h unter Aktuelles aus Brasilien, News zu Abholzung & Co.

fiscalizacao.amazonasDie Ausweisung eines Reservats im fernen Brasília schützt den Regenwald im Amazonas beileibe nicht vor Kahlschlag und illegalem Holzhandel. Dies zeigt das Beispiel von Gurupá im Norden Brasiliens. Das Schutzgebiet für nachhaltige Entwicklung (Reserva Extrativista) wurde bereits 2006 in Pará eingerichtet und umfasst auf dem Papier 145.000 Hektar Amazonas-Urwald. Doch die Machenschaften von Brasiliens Holz-Mafia dauern seit Jahren ungehindert an. Mittlerweile wurden in der Region gewaltige Areale mit unersetzbarem Regenwald zerstört.

Eigentlich sind die speziell ausgewiesenen Flächen einer „Reserva Extrativista“ als Schutzeinheiten gedacht. Bewirtschaftet werden dürfen sie lediglich nachhaltig und ohne den Urwald dabei zu schädigen. Der traditionelle Anbau von Maniok, das Fischen in den Flüssen, die Gewinnung der Früchte der Açai-Palmen sind Beispiele für diese nachhaltige Bewirtschaftung durch die lokale Bevölkerung. Was jedoch dem Reservat von Gurupá beispielsweise fehlt, ist ein umfassender Bewirtschaftungs- und Pflegeplan sowie kontinuierliche Kontrollmaßnahmen durch staatliche Organe. Beklagt wird dies nicht nur von den 800 dort lebenden Familien, auch die landwirtschaftliche Gewerkschaft spart nicht mir Kritik.

So seien die staatlichen Organe am Erhalt des Reservates nicht besonders interessiert. Nach jüngsten lokalen Medienberichten hat es schon 2008 die ersten Anzeigen gegen die illegalen Holzhändler gegeben, passiert ist jedoch nichts. Der Lärm der Motorsägen am Ufer des Flusses Rio Pucurí hält ungebrochen an. Berichtet wird auch von einem Kommen und Gehen der Lastwagen, beladen mit Holzstämmen sowie von illegalen Sägewerken mitten in dem Schutzgebiet. Für viele trägt inzwischen das Institut Chico Mendes zum Schutz der Biodiversität (ICMBio), dem eine schlechte Amtsführung vorgeworfen wird, eine deutliche Mitschuld.

Denn alleine können die Familien gegen die illegalen Holzhändler nicht viel ausrichten. Einige der Anwohner wurden zudem bereits von den Holzhändlern angeheuert. Pro gefällten Baum sollen sie umgerechnet zwischen 16 und 33 Euro erhalten. Und wer nicht mitspielt, der wird auch schon gerne einmal bedroht. Schließlich geht es bei Tropenholz um sehr viel Geld.

Der Präsident des Umweltinstituts sieht die durch die Abholzung fortschreitende Zerstörung des Urwaldes indes scheinbar gelassen. Seinen Aussagen nach sollen die Kahlschlagsflächen vor der Einrichtung der Schutzreservate wesentlich größer gewesen seien. Aufgrund des jüngsten Mediendrucks versprach er jedoch, zukünftig stärker durchzugreifen.

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