Abholzung in Amazonien nimmt wieder dramatisch zu

Veröffentlicht am 19. November 2013 - 19:11h unter Aktuelles aus Brasilien, News zu Abholzung & Co.

Die Abholzung in Amazonien hat in diesem Jahr wieder dramatisch zugenommen. Dies geht aus jüngsten Untersuchungen und Auswertungen von Satellitenbildern hervor. Demnach stieg die Zahl zerstörter Waldflächen um 28 Prozent. Zwischen August 2012 und Juli 2013 wurden insgesamt 5.843 Quadratkilometer Regenwald vernichtet, eine Fläche größer als die Eifel. Verantwortlich könnte dafür die vor gut einem Jahr beschlossene Reform des brasilianischen Waldgesetzes sein, welche weltweit scharf kritisiert wurde.

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Die größten Waldvernichter in Bezug auf die Fläche sind erneut die Bundesstaaten Pará mit 2.379 Quadratkilometer und Mato Grosso mit 1.149 Quadratkilometer. Die größten prozentualen Zuwächse wurden inm Mato Grosso (+52%) und in Roraima (+49%) registriert.

Für Umweltministerin Izabella Teixeira sind die Zahlen eine bittere Niederlage im Kampf gegen die Abholzung im größten Waldgebiet der Erde. Sie kündigte an, für eine Krisensitzung mit den Umweltministern der Amazonasstaaten früher als geplant von der Weltklimakonferenz im polnischen Warschau (11. bis 22. November) zurückzukehren. Zuvor hatte Teixeira noch versucht, die erschreckenden Zahlen mit der Aussage zu relativieren, es handele sich um „die zweitniedrigste registrierte Abholzungsrate in der Geschichte“. Die Regierung veröffentlicht seit 1988 jährlich einen Bericht über die Rodungen im Amazonasgebiet.

Scharfe Kritik erntete die Ministerin von der Umweltschutzorganisation WWF. Diese bezeichnete die jüngsten Zahlen als „Quittung für die Aushöhlung des Umweltschutzes“. Die im Oktober 2012 beschlossene und auch in Brasilien massiv umstrittene Reform des Waldgesetzes hat laut den Umweltschützern den Schutz von Wäldern auf privatem Grund massiv verschlechtert. Das bestehende Waldgesetz sei für „kurzfristige Interessen der Agrarindustrie“ massiv beschnitten worden. Im neuen „Codigo Florestal“ sind vorgeschriebene Schutzwälder rund um Gewässer dramatisch verkleinert, illegale Rodungen der Vergangenheit werden nicht mehr verfolgt.

Die Umweltzerstörung im brasilianischen Amazonasgebiet haben vielfältige Gründe. Neben staatlich genehmigten Infrastrukturmaßnahmen wie Schneisen für Straßen, Stromtrassen oder Staudämme wird auf Privatbesitz oder in Schutzzonen der Urwald sowohl für die Holzgewinnung als auch zur Vergrößerung bestehender Weideflächen oder zur Anpflanzung von Monokulturen wie Soja, Zuckerrohr oder Baumwolle gerodet.

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