Wasserkraftwerke tragen zur Abholzung in Amazonien bei

Veröffentlicht am 8. Dezember 2013 - 00:57h unter Aktuelles aus Brasilien, News zu Abholzung & Co.

AgenciaBrasil101212_DSC0033Schon vor Baubeginn waren die großen Wasserkraftwerke, die derzeit im Amazonas-Regenwald entstehen, mehr als umstritten. Neueste Untersuchungen zeigen nun, dass sie indirekt für Kahlschläge verantwortlich sind. Sie sollen zudem zur Erhöhung der diesjährigen Rodungsraten beigetragen haben. Nach den jüngsten Veröffentlichungen ist die Gesamtfläche der Kahlschläge im Amazonas-Urwald zwischen August 2012 und Juli 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent gestiegen.

Eins der Hauptargumente für den Bau der Wasserkraftwerke ist, dass der durch sie gewonnene Strom billiger und vor allem umweltfreundlicher als andere Energiequellen sind. Doch so umweltfreundlich sind die Wasserkraftwerke keinesfalls, werden alle Auswirkungen in die Berechnungen mit einbezogen. Paulo Barreto von der Nichtregierungsorganisation Imazon macht dabei die Wasserkraftwerke mitverantwortlich für die gestiegenen Kahlschlagsflächen. Durch die Kraftwerke würden Arbeitssuchende angelockt, Grundstückgspreise würden steigen, was wiederum Spekulanten anziehe. Ohne eine ausreichende Kontrolle und Strafmaßnahmen würde die lokale Bevölkerung geradezu ermutigt, Waldflächen abzuholzen und zu verkaufen.

Nach einer Studie Barretos verursacht das umstrittene Wasserkraftwerk Belo Monte am Fluss Xingu im Amazonas-Staat Pará beispielsweise in den nächsten 20 Jahren indirekte Kahlschläge von 510.000 Hektar. Das entspricht einer Fläche zehnmal so groß wie der des Stausees, der dort entstehen soll. Im Becken des ebenso in Pará gelegenen Rio Tapajós würden sogar 1,1 Millionen Hektar Urwald den Motorsägen zum Opfer fallen. Betroffen seien zudem die Wälder rund um die Wasserkraftwerke Jirau und Santo Antônio am Fluss Madeira im Bundesstaat Rondônia.

Etliche Wissenschaftler fordern bereits seit geraumer Zeit , endlich auch die indirekten Auswirkungen wie den Neubau von Strassen und die Rodungen für neue Siedlungen mit in die Umwelt- und Kohlenstoffbilanz der Wasserkraftwerke aufzunehmen. Zugleich müssten diese Werte auch beim Kostenvergleich und der Umweltbilanz mit anderen Energiequellen berücksichtigt werden.

Die brasilianische Regierung steht zudem in der Kritik, für den Bau der Wasserkraftwerke Schutzgebiete reduziert zu haben. Allein schon die Ankündigung einer Verkleinerung von Schutzgebieten habe Rodungen stimuliert, beklagt Staatsanwalt Daniel César Azeredo Avelino.

Von Seiten der Regierung heißt es indes, dass die Rodungsrate innerhalb der Schutzgebiete weniger als zehn Prozent der gesamten Kahlschläge im Amazonas-Gebiet betrage. Eine Beteiligung der Wasserkraftwerke an der gestiegenen Zahl der Kahlschläge weist Brasília scharf zurück. Die Erhöhung gingen vornehmlich auf Abholzungen im Bundesstaat Mato Grosso zurück, um dort landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen. Zudem seien im Bundesstaat Pará Flächen gerodet worden, um illegal gewonnenen Areale als Baugrundstücke zu verkaufen.

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