Entdeckung: Amazonasfluss mündet in ein Korallenriff von der Größe Zyperns

Veröffentlicht am 3. Mai 2016 - 18:02h unter Aktuelles aus Brasilien

Der Amazonasfluss birgt nach wie vor große Geheimnisse. Forscher haben nun an seiner Mündung ein in den Tiefen des Meeres verstecktes Korallenriff entdeckt. Das erstreckt sich auf 9.500 Quadratkilometer, was in etwa der Landesfläche Zyperns entspricht. Jetzt wollen sie weitere Forschungen anstellen. Von ihrer Entdeckung erhoffen sie sich unter anderem Aufschlüsse über die Entwicklung der marinen Artenvielfalt Brasiliens.

Korallenriff

Dass der Amazonasfluss in ein Korallenriff mündet, war bis vor wenigen Jahren lediglich eine Vermutung. Darauf aufmerksam geworden sind die Wissenschaftler durch Fischer und nordamerikanische Forscher. Die haben im Mündungsdelta des wasserreichsten Flusses der Erde Fischarten aus dem Netz gezogen, die eigentlich in Korallenriffen beheimatet sind.

Gegen ein Riff hat indes gesprochen, dass der Amazonas durch seine Fracht an Sedimenten und organischen Stoffen für ein trübes Wasser sorgt, während Korallenriffe zu ihrem Überleben eigentlich auf Licht angewiesen sind.

Nach einem unlängst veröffentlichten Artikel der Wissenschaftler im Magazin “Science Advances” haben sie bereits im Setember 2014 aus ihren ersten geworfenen Netzen eine große Menge an bunten Schwämmen und ebenso Korallenteile gezogen.

Etwa 900 Kilogramm Schwämme von 30 verschiedenen Arten haben sie registriert. Vor allem im nördlichen Bereich des Riffs sind sie zudem auf gigantische Schwämme von bis zu drei Metern Länge gestoßen. Wegen des geringen Lichteinfalls wächst dort das Riff allerdings nicht mehr.

Im südlichen Bereich mit weniger Schlammfracht des Amazonasflusses sieht es laut den Forschern hingegen anders aus. Dort ähnle das Korallenriff denen des brasilianischen Nordostens.

Kaum wurde das Riff entdeckt, warnen die Forscher schon vor einer Gefahr der Zerstörung. Für die Region wurde mehrere Bereiche zur Öl- und Erdgasförderung freigegeben. Bei den Umweltstudien über mögliche Auswirkungen dieser Vorhaben, ist das Korallenriff allerdings nicht beachtet worden, weil zu dem Zeitpunkt sein Vorhandensein noch unbekannt war.

Geleitet wurde die Expedition zum Korallenriff des Amazonas vom Brasilianer Rodrigo Leão von der Universität Rio de Janeiros (UFRJ). An den Arbeiten beteiligt waren Wissenschaftler von elf brasilianischen und einer nordamerikanischen Forschungseinrichtungen.