Amphibien in Amazonien

Veröffentlicht am 23. November 2011 - 20:41h

Mehr als zwei Jahrhunderte sind vergangen, seit die Wissenschaft den biologischen Reichtum des Amazonasbeckens entdeckt hat. Naturforscher, wie Henry Bates, Richard Spruce und Alfred Russell Wallace überraschten die Welt mit ihren Entdeckungen von Hunderten Pflanzen-, Insekten- und Vogelarten und den Amphibien oder Fröschen. Die ersten Sammlungen von Amphibien Amazoniens wurden vor fast zweihundert Jahren von dem deutschen Biologen Johann Baptist Spix angelegt.

Bis heute fährt die biologische Forschung in Amazonien fort, den Wissenschaftlern immer neue Geheimnisse zu enthüllen – neue Spezies, Erweiterung der bekannten Spezies und bis dato unbekannte biologische Phänomene. Amazonien, das steht fest, besitzt das reichste Biom der Erde. Allerdings wurden die Reichtümer Amazoniens – und sie werden immer noch – kommerziell ausgebeutet. Menschliche Aktivitäten haben einen signifikanten Teil Amazoniens zerstört oder verändert, besonders während der letzten fünfzig Jahre.

Die “Reserva Florestal Adolpho Ducke“ (Regenwald-Reservat), gegründet 1963, hat sich der rasenden Abholzung und Urbanisierung entgegengestellt und ist zu einem Heiligtum für alle Arten von Lebewesen geworden, inklusive für 50 Froscharten, die wir hier beschreiben wollen. Führer wie dieser sind von Bedeutung für die Ausbildung von Naturalisten, Naturschützern und auch zur Umwelterziehung im Allgemeinen. Eine gebildete Bevölkerung ist sich der Bedeutung einer Erhaltung der Natursysteme bewusst und wird sich dafür einsetzen, einen tropischen Wald zu pflegen und zu erhalten, zusammen mit seinen einzigartigen Bewohnern, von denen einige für den Fortschritt der Menschheit von Bedeutung sein können. Zukünftige Generationen werden von einer solchen Haltung profitieren.

Biologie der Froschlurche

Die Froschlurche der Kröten, Unken, Gras-, Laub- und Baumfrösche (Anuren), im brasilianischen Volksmund als “Sapos, Jias, Rãs und Pererecas“ oder in den Nachbarländern “Ranas“ bekannt, bilden die grösste Gruppe der Klasse Amphibia – mit annähernd 5.000 Arten. Andere Amphibien, wie Salamander und Lurche, sind in Amazonien nur durch relativ wenige Arten vertreten. Die grosse Mehrheit der Anuren lebt in den Tropen, und davon leben etwa 600 Arten im Amazonasbecken. Die Anuren scheinen schwächlich zu sein, denn ihre Haut besitzt weder schützende Schuppen noch entsprechende Haare. Dafür sind sie aber besonders anpassungsfähig und befinden sich im Allgemeinen unter den häufigsten Wirbeltieren, die mit der grössten Anzahl von Habitats aufwarten können, damit stehen sie nur noch hinter den Vögeln und den Fledermäusen in der Zahl ihrer Arten!

Ein Chaos volkstümlicher Namen

Als die Spanier und Portugiesen die “Neue Welt“ entdeckten, benutzten sie für die dort angetroffenen Pflanzen und Tiere, insofern sie denen ihrer europäischen Heimat glichen oder ähnlich waren, dieselben volkstümlichen Namen wie schon in Spanien oder Portugal. Erst im Lauf der Zeit “änderten sich diese Namen – meist durch den Einfluss der Urbevölkerung, die natürlich für jede Pflanze und jedes Tier schon lange ihre eigenen Namen hatten. Die von den Portugiesen als “Relas“ bezeichneten Baumfrösche, zum Beispiel, bekamen den Namen “Pererecas“ – was in der Tupi-Sprache “sich springend bewegen“ bedeutet. Verallgemeinerungen dieser Art verbergen eine enorme Vielfalt phylogenetischer Gruppen. In Portugal gehören die “Rãs” (Frösche) zur Familie Ranidae, während sie in Brasilien zu Leptodactylidae, Ranidae oder Dendrobatidae gehören können. Die Kröten gehören in Portugal zu den Familien Bufonidae, Pelobatidae, Pelodytidae und Discoglossidae, während die Anuren, welche man in Brasilien volkstümlich als “Sapo“ (Kröte) bezeichnet, entweder der Familie der Bufonidae oder der Dentrobatidae angehören. Aber die Bezeichnung “Sapo“ wir in Brasilien eigentlich für alle Arten von Anuren gebraucht.