Umweltschützer leben in Brasilien extrem gefährlich

Veröffentlicht am 18. April 2014 - 15:28h unter Aktuelles aus Brasilien

0,,15387210-EX,00Brasilien ist das gefährlichste Land weltweit für Umweltschützer und Vertretern von Landrechten. Nach einer Studie der Nichtregierungsorganisation Global Witness sind fast die Hälfte der 908 auf der Erde gewaltsam ums Leben gekommenen Umweltaktivisten und Menschenrechtsvertreter in Brasilien ermordet worden, die meisten von ihnen im Amazonasgebiet. 25 Jahre nach der Ermordung des Umweltaktivisten Chico Mendes im Amazonasgebiet ist das Thema brisanter denn je. Denn weltweit nehmen die Landkonflikte zu, wie es im Bericht von Global Witness heißt.

Die 908 Morde beziehen sich auf den Zeitraum zwischen 2002 und 2013. Verzeichnet wurden sie in 35 Ländern. Die Zahl ist jedoch nur die Spitze des Eisberges, da die Daten oft nur schwer zugänglich sind oder schlichtweg nicht erhoben werden. Anders sieht es in Brasilien aus. Dort hat sich das öffentliche Bewusstsein gegenüber diesen Konflikten geändert. Mittlerweile gibt es zahlreiche Gruppen und Initiativen der Zivilbevölkerung, um die Übergriffe publik zu machen.

Laut dem Bericht wurden in Brasilien in den vergangenen elf Jahren 448 Menschen umgebracht, die sich gegen die Zerstörung ihres Lebensraumes und für den Erhalt der Natur eingesetzt haben. Im Jahr 2012 waren es 36, im vergangenen Jahr 33. Mit 68 Prozent ereigneten sich die meisten Fälle im Amazonasgebiet. Skrupellose Immobilienspekulanten, illegale Machenschaften von Holzfirmen, ein illegaler Bergbau und auch Soja und Besitzer der oft gigantischen Zuckerrohrplantagen sind oft für riesige Kahlschläge des Regenwaldes verantwortlich. Bei den dadurch entstehenden Landkonflikten wird häufig nicht zimperlich mit denjenigen umgegangen, die versuchen ihre Rechte zu verteidigen. Indios, Landlose, Vertreter von Umweltschutzorganisationen und auch die Bevölkerung geraten dabei immer wieder nicht nur sprichwörtlich in die Schusslinie. Sie werden unter Druck gesetzt und im Extremfall ermordet, auch um andere einzuschüchtern.

Während immer mehr über den Schutz der Umwelt diskutiert wird, steigt die Zahl der Übergriffe. Ausgerechnet 2012, dem Jahr, in dem die UN-Umweltkonferenz Rio+20 in Rio de Janeiro stattfand, wurde mit 147 Toten ein trauriger Rekord verzeichnet. Kurz nach der weltweit beachteten Konferenz wurden in der Nähe von Rio de Janeiro zwei Anwälte umgebracht, die sich für die Rechte von Fischerfamilien eingesetzt hatten und und gegen Ölspekulanten antraten.

Verschärft werden die Konflikte unter anderem auch dadurch, da polizeiliche Untersuchungen zum Großteil im Sand verlaufen. Viele Vorfälle werden zudem gar nicht erst oder nicht im notwendigen Umfang untersucht. Die Täter oder deren Auftraggeber droht damit fast nie eine Verurteilung. Von den 908 Morden zwischen 2002 und 2013 wurden bisher weltweit lediglich zehn der Täter zur Rechenschaft gezogen, zwei davon in Brasilien.