Amazonas will mit Kaimanen nachhaltige Entwicklung fördern

Veröffentlicht am 30. Juni 2016 - 16:22h unter Aktuelles aus Brasilien

Jacare oder Kaiman - Foto: sabiá brasilinfo

Jacare oder Kaiman – Foto: sabiá brasilinfo

Die in der Amazonasregion vorkommenden Kaimane sollen künftig den “Ribeirinhos“ eine neue Lebensgrundlage bieten. Für die entlang der Flüsse lebenden Menschen könnten Leder und Fleisch von ihnen eine weitere Einnahmensquelle sein. Geändert werden müsste dazu allerdings das Gesetz, das die Reptilien schützt.

Viele der abgeschieden lebenden Ribeirinhos im Amazonas-Regenwald müssen von dem wenigen leben, das sie anbauen. Mit der Pflege und der Verwertung der Kaimane könnte sich das ändern.

Die Idee zur Nutzung der heimischen Reptilien ist nicht neu. Von 1950 bis 1970 sind die Kaimane in der Amazonas-Region bereits gezüchtet worden. Seit etwa zehn Jahren wird dies ebenso von Forschern diskutiert.

Jetzt ist vor Kurzem in der Assembleia Legislativa vom brasilianischen Bundesstaat Amazonas eine Arbeitsgruppe eingerichtet worden. Parlamentarier, Umweltschützer und Managementvertreter debattieren darin die Voraussetzungen und Weichenstellungen.

Gezüchtet werden Kaimane bereits im Pantanal. Allerdings sind dort Kaiman-Farmen installiert. Für die Amazonas-Region ist hingegen ein anderes System angedacht, bei dem die Ribeirinhos zum Zug kommen sollen.

Ziel ist dabei eine nachhaltige Bewirtschaftung unter Beachtung der Voraussetzungen des Ökosystems, die gleichzeitig zudem eine soziale Rolle übernehmen soll, ähnlich wie dies bereits bei der Bewirtschaftung des heimischen Fisches Pirarucu der Fall ist.

Wie Tierarzt Augusto Kluczkovski Júnior ausführt, bedeutet die Nutzung von Wildtieren nicht unbedingt eine Verringerung ihres Bestandes. Er verweist auf die 50er Jahre, in denen trotz der Aktivität eine Verbesserung der Bestandsdichte verzeichnet worden sei.

Nach den bisherigen Plänen wäre die Kaimannutzung den Bewohner der “Reservate für nachhaltigen Entwicklung“ vorbehalten. Die Bestände können dort durchaus beachtlich sein. In der “Reserva de Desenvolvimento Sustentável de Mamirauá“ leben entlang des Flusses pro Kilometer Uferlinie etwa 2.000 Tiere, was einem Kaiman pro halben Meter entspricht, wie Kluczkovski erklärt.

Schon in wenigen Tagen will die Arbeitsgruppe einen ersten Bericht mit Vorschlägen für die Regelung der Kaimannutzung vorlegen. Bis sie dann aber tatsächlich ein wirtschaftliches Standbein für die Ribeirinhos sein können, wird es dennoch weiter dauern, da zunächst eine Änderung des Gesetzes zum Schutz der heimischen Fauna erwirkt werden muss.

Im Amazonas-Regenwald Brasiliens kommen insgesamt vier verschiedene Kaimanarten vor. Alle vier würden sich zur wirtschaftlichen Nutzung eignen, wie es heißt.

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