Hochwasser bei Manaus: Rio Negro knackt kritische Marke

Veröffentlicht am 26. April 2012 - 20:23h unter Aktuelles aus Brasilien

Der Wasserstand des Rio Negro bei Manaus hat am Mittwoch (25.) die kritische Marke von 28,94 Metern überschritten. Laut den Behörden der Amazonasmetropole wurden am Hafen 28,96 Meter gemessen. Damit liegt der Pegel derzeit nur noch 81 Zentimeter unter dem Rekordhochwasser im Jahr 2009. Damals wurde mit 29,77 Metern der höchste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen vor 110 Jahren registriert.

Tafel mit Pegelständen des Rio Negro am Hafen in Manaus im Mai 2011. Derzeit steht das Wasser auf dem Niveau der roten Linie.

Durch das Überschreiten der kritischen Marke wurde der regionale Zivilschutz in Alarmbereitschaft versetzt. In tiefer gelegenen Stadtteilen steht bereits das Wasser in den Straßen, ein Ende des Hochwassers ist derzeit noch nicht abzusehen. Laut dem brasilianischen geologischen Dienst (CPRM) wird für die kommenden Tage mit einem täglichen Anstieg von fünf bis sechs Zentimetern gerechnet.

Bislang haben 27 Städten und Gemeinden des Bundesstaates den Alarmzustand ausgerufen, nach offiziellen Quellen sind inzwischen über 40.000 Familien von Überschwemmungen betroffen. In Manaus wären von einer neuerlichen Jahrhundertflut zunächst die Stadtteile São Geraldo, São Raimundo, Educandos, Glória, Raiz, Presidente Vargas, Raiz, Betânia und São Jorge betroffen. Dort bereitet man sich bereits auf den weiteren Anstieg des Rio Negro vor, der sich wenige Kilometer flussabwärts mit dem Rio Solimões zum gigantischen Amazonas verbindet.

Da in der Millionenmetropole momentan nur wenige Gebäude direkt von den Wassermassen bedroht sind und zudem auch noch keine größeren Schäden zu verzeichnen sind, wurde seitens der Stadtverwaltung der offizielle Alarmzustand noch nicht ausgerufen. Die Maßnahme ist eine gesetzliche Notwendigkeit, um schnell an notwendige Gelder des Bundesstaates oder der Regierung in Brasília zu gelangen. Allerdings muss die Stadt zunächst ihre eigenen finanziellen Mittel aufbrauchen, bevor sie Zuschüsse von oberen Instanzen beantragen kann.

Im vergangenen Monat hatte der CPRM bereits die Möglichkeit eines neuen Hochwasser in diesem Jahr nicht gänzlich ausgeschlossen. Dabei hatte der Dienst zuvor die nächste große Flut für frühestens 2019 prognostiziert. In der ersten von drei Alarmmeldungen im März errechneten die Experten aufgrund starker Niederschläge in den großen Zuflussregionen dann jedoch bereits für dieses Jahr einen maximalen Pegelstand von 29,51 Meter. Es wäre für Manaus der vierthöchste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen. Neben den 29,77 Metern im Jahr 2009 hatte der Rio Negro nur 1953 (29,69 Meter) und 1976 (29,61 Meter) einen höheren Wasserstand aufgewiesen.

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