Erste Windkraftanalage Amazoniens in Indio-Territorium erhält grünes Licht

Veröffentlicht am 25. März 2016 - 09:48h unter Aktuelles aus Brasilien

Mit dem Projekt “Cruviana“ sollen die ersten Windkraft- und Solaranlagen Amazoniens in einem Indio-Gebiet errichtet werden. Mehrere Dörfer im Indio-Territorium “Raposa Serra do Sol“ werden auf diese Weise künftig mit Strom versorgt. Das Gemeinschaftsprojekt des Institutes Socioambiental (ISA), dem indigenen Rat Roraimas (CIR) und der Universität Maranhão (UFMA) ist eine alternative zu den Wasserkraftwerken, die durch ihre Stauwerke einen enormen Eingriff in die Natur darstellen und oft heilige Plätze der indigenen Völker zerstören.

projeto cruviana

Mit “Cruviana“ wird der kalte und feuchte Wind der frühen Morgenstunden bezeichnet. Mit dem Projekt erhält das Wort künftig eine weitere Bedeutung, da es für sauberen Strom in den Indio-Siedlungen sorgen wird. Im Gespräch ist es bereits seit 2010. Seit 2012 führt das Institut Socioambiental gemeinsam mit den Indigenen in deren Gebiet Untersuchungen zur Windkraft durch. Installiert wurden dazu Meßtürme.

Jetzt hat das Energieministerium grünes Licht für die Ausführung gegeben. In den kommenden vier Wochen soll von der Energiegesellschaft Roraimas (CERR) ein Plan erarbeitet werden. Mit diesem wird die Indio-Behörde Funai ein Anhörungsverfahren in den betroffenen Ansiedlungen durchführen. Stimmen die Indiogemeinschaften dem Plan zu, soll noch in diesem Jahr mit dem Bau der Anlagen begonnen werden. Die Inbetriebnahme ist für Anfang 2017 vorgesehen.

Finanziert werden die Investitionen in Höhe von jeweils 2,5 Millionen Reais (umgerechnet derzeit etwa 625.000 Euro) über das staatliche Programm “Luz para Todos“ (Licht für Alle). Zunächst sollen zwei Indio-Dörfer mit den alternativen Stromquellen ausgestattet werden. Bisher verwenden sie zur Energieversorgung mit Diesel betriebene Generatoren. Gerechnet wird, dass durch die Windkraft künftig 20.000 Liter Diesel eingespart und somit weniger Treibhausgase in die Atmosphäre freigesetzt werden.

Erwartet wird jedoch eine Kapazität, die zur Versorgung von bis zu 10.000 Menschen in etwa 100 Indio-Siedlungen reicht. Über das Projekt „Cruviana“ werden deshalb weitere Studien erfolgen. In den kommenden Tagen sollen zudem Analysen von 90 weiteren Indio-Gemeinschaften vorgelegt werden, die in den kommenden Jahren ebenso von der Windkraft profitieren könnten.

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