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Amazonas-Korallenriff durch Erdölförderung gefährdet

Veröffentlicht am 24. April 2018 - 07:19h unter Aktuelles aus Brasilien

Erst 2016 wurde im Amazonasdelta ein Korallenriff entdeckt. Jetzt ist es in seiner Existenz bedroht. Die Öl-Unternehmen Total (Frankreich), BP (Großbritannien) und Petrobras (Brasilien) wollen dort Erdöl fördern. Unter dem Korallenriff sollen 14 Milliarden Barrel Erdöl liegen.

Korallenriff Amazonas-Delta – Foto: Greenpeace Screenshot

Als sich die Unternehmen 2013 die Lizenzen zur Erdölförderung vor der Nordküste Brasiliens gesichert haben, war von der Existenz des Korallenriffs noch nichts bekannt. Dass es sich auch über die vergebenen Erdölfelder hinweg erstreckt, konnten die Wissenschaftler erst jetzt nachweisen.

Sie haben ein Rennen um die Zeit aufgenommen. Während sie mit Unterstützung der Umweltorganisation Greenpeace Beweise sammeln und das einzigartige Korallenriff studieren, läuft gleichzeitig das Genehmigungsverfahren bei der brasilianischen Umweltbehörde Ibama zur Ausbeutung der Ölfelder.

Noch ist offen, ob die Umweltbehörde tatsächlich die Genehmigung erteilen wird. Die Forscher sprechen jedoch von einer „Tragödie“, sollte sie gewährt werden. Wissenschaftler und Greenpeace konstatieren, dass die von Total vorgelegte Studie hinfällig sei, da in dieser eine Entfernung von acht Kilometern von der Bohrstelle zu dem Korallenriff angegeben wird.

Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass auch die Ölfelder vom Korallenriff bedeckt sind. Seine Größe wird zudem inzwischen auf 56.000 Quadratkilometer geschätzt. Damit wäre es größer als die Schweiz (41.290 Quadratkilometer).

Das Korallenriff im Amazonas-Delta und einer Tiefe von 70 bis 220 Metern gilt als weltweite Besonderheit. Es befindet sich dort, wo der Amazonasfluss mit seinem sedimentreichen Wasser die Lichtdurchlässigkeit einschränkt, während die Korallen eigentlich auf Licht angewiesen sind.

Noch gibt es etliche Rätsel auf. Laut den Wissenschaftlern beherbergt es 70 Fischarten, über 40 Korallenarten und 60 Schwammarten.

Kritisiert werden die möglichen Ölbohrungen aber auch, weil sie sich nahe der Küste befinden. Befürchtet werden negative Auswirkungen auf die Mangrovenwälder, die dort mündenden Amazonasflüsse und die Bevölkerung der Region.

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