Das indigenste Munizip

Veröffentlicht am 3. März 2012 - 10:44h

Lernen Sie das “indigenste Munizip” von Brasilien kennen. In dieser Stadt hätte der gesamte Bundesstaat Pernambuco Platz. Auf der anderen Seite wären 20 Hochhäuser von der Grösse eines COPAN-Gebäudes in São Paulo genug, die gesamte Bevölkerung aufzunehmen. Der Ort ist Ausgangspunkt zum höchsten Berg Brasiliens, und er ist vom grössten Regenwald der Erde umgeben. Und um die Motive abzurunden, warum “São Gabriel da Cachoeira“ (Bundesstaat Amazonas) etwas Besonderes ist: 90% des Munizips ist indigen – inklusive sein Präfekt und sein Vize, gewählt im Jahr 2008.

Und wo ist São Gabriel? Das ist leicht zu erklären. Nur die Karte vom Bundesstaat Amazonas aufschlagen und darauf im Nordwesten ein Gebilde suchen, das aussieht wie ein Tierkopf – die Region ist bekannt unter dem Namen “Cabeça de Cachorro“ (Hundskopf). Dort hinzukommen, ist nicht so einfach. Das Zentrum von São Gabriel da Cachoeira befindet sich am Ufer des Rio Negro – 850 km von Manaus entfernt. Optionen sind Boote, die bis dorthin drei bis vier Tage brauchen, oder Flüge, die von Manaus aus starten. Beide schmerzen in der Brieftasche.

Der grösste Teil des Territoriums ist purer Amazonas-Regenwald, gespickt mit Indianerstämmen, was die Gegend zu einer besonderen Attraktion für Ökotouristen prädestiniert, die an der Kultur dieser Völker interessiert sind. Der Besucher sollte allerdings nicht vergessen, dass das Städtchen arm ist und nur wenig Infrastruktur besitzt, um Gäste würdig zu empfangen – mit einfachen Unterkünften und Restaurants, und in geringer Anzahl.

Wer allerdings keinen besonderen Wert auf Komfort legt, der begegnet hier einer neuen Welt. Ausser Portugiesisch spricht man hier drei weitere, co-offizielle Sprachen: Nheengatu, Tukano und Baniwa. Die urbane Bevölkerung ist zum grösseren Teil indigen, und es gibt noch verschiedene Ethnien, die sich ihre traditionellen Sitten und Gebräuche erhalten haben. Zu ihnen kommt man per Schnellboot – die Anreisen dauern mehrere Stunden. Um sie zu besuchen, braucht man die Genehmigung der FUNAI (Indianerschutz-Organisation). Eine andere Option, die Kultur dieser Völker kennenzulernen ist die “Federação das Organizações Indígenas do Alto Rio Negro (FOIRN)“. Der Sitz dieser Organisation befindet sich in der Avenida Álvaro Maia – hier kann man auch indigenes Kunsthandwerk kaufen und mehr über die Gruppen erfahren, welche in dieser Region zuhause sind.

Ausser der Kultur ist São Gabriel da Cachoeira pure Natur. Da ist zum Beispiel der Regenwald – life noch viel überraschender als auf Fotos – die Wasserfälle, Ergebnis einer Fusion des Wassers mit dem felsigen Relief der Landschaft – und der Rio Negro, der während der Trockenperiode wunderbare Flussstrände freigibt (zwischen September und Januar). Der Ort ist auch der wichtigste Stützpunkt für solche Besucher, die den höchsten Berg Brasiliens, den “Pico da Nebliana“ besteigen wollen. Dieser Ausflug muss mit einem Guide unternommen werden, und verabredet mit der Administration des Nationalparks, der den Namen des Berges trägt.