Helikonien im Amazonas

Veröffentlicht am 21. November 2011 - 10:45h

Die Helikonien gehören, und da werden Sie mir sicher zustimmen, zu den eindrucksvollsten Repräsentanten dieser exotischen Blütenpracht – der brasilianische Volksmund nennt sie auch “Papageienpflanzen“ wegen der Schnabelform ihrer Deckblätter (Brakteen). Ihre Blütenstände sind manchmal von beachtlicher Grösse, die kahnförmigen, mit einer Wachsschicht überzogenen Deckblätter umhüllen die eher unscheinbaren, meist weiss-gelben Blüten. Diese Brakteen sind mit weit leuchtenden Farben in Rot, Orange und Gelb ausgestattet, um die “Bestäuber“ anzulocken – in der Regel kommt Kolibris und Fledermäusen diese bedeutende Rolle zu.

Unter idealen Bedingungen – mindestens 18°C und einer konstanten Luft- und Bodenfeuchtigkeit – spriessen mit zunehmendem Alter Ableger aus dem Wurzelstock (Rhizom), die zwar viel Licht, aber keine direkte Sonne lieben.

Für viele Natur- und Blumenliebhaber gehören die Helikonien (Heliconia) zu den attraktivsten pflanzlichen Vertretern der Neotropis (ein Begriff aus botanischer Sicht, der für Südamerika, Mittelamerika, die Westindischen Inseln, den südlichen Teil von Mexiko und die Südspitze Floridas steht). Zur Gattung der Helikoniengewächse (Heliconiaceae) zählt man zwischen 100 und 220 verschiedene Arten – einige sind als Zierpflanzen begehrt. Ihren Namen haben sie vom Berg Helicon in Griechenland – der im Altertum als Sitz der Musen galt – ihre aussergewöhnlichen Blütenformen und –farben werden diesem Anspruch durchaus gerecht.

Alle Heliconia-Spezies sind immergrüne, krautige Pflanzen, mit einem kurzen, verzweigten Wurzelsystem, das Stärke speichert. In den meisten Fällen bilden sie nur einen so genannten Pseudostamm, der von sich überlappenden Blattscheiden gebildet wird. Die Laubblätter – parallelnervig, mit Blattscheide, Blattstiel und Blattspreite – sind bei einigen Arten grundständig, bei anderen am Stängel verteilt.

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Heliconia schumanniana, Heliconiaceae
Heliconia schumanniana, Heliconiaceae
Heliconia psittacorum
Heliconia - Família Heliconiaceae
Rojo
Planta
Heliconia
Heliconia
Heliconia
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Bonito por natureza . . .
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Viele verschiedene Tierarten vollziehen die Bestäubung der Helikonien – die meisten davon sind Vögel und Fledermäuse. Bei den neotropischen Arten sind es die Kolibris, bei den polynesischen die Honigfresser, denen diese Aufgabe zukommt. Für sie sind die Formen der Blüten wie geschaffen, und auch die reichliche Nektarproduktion der Heliconia kommt ihrem grösseren Bedarf entgegen.

Die gereiften roten, orangenen oder blau gefärbten Früchte präsentieren jeweils nur einen bis drei Samenkerne. Sie werden von unterschiedlichen Tierarten gefressen und die Samen später unverdaut ausgeschieden – meistens sind es Vögel, oder bei einigen Arten Fledermäuse, die so für die Verbreitung der Pflanzen sorgen.

Die Entwicklung der Helikonien fand vor zirka 32 Millionen Jahren statt – da sie in der Neotropis entstand, wo auch heute noch die meisten Arten vorkommen, nimmt man an, dass die ozeanischen Spezies – auf den Inseln des Pazifischen Ozeans, in Melanesien, Samoa und Sulawesi, erst in jüngerer Zeit durch wandernde Tiere (Vögel) dort verbreitet worden sind.

Viele Heliconia-Arten wachsen im Flachland-Regenwald unterhalb von 500 Metern Höhe. Die meisten allerdings bevorzugen die mittleren Höhenlagen, wo sie in den so genannten Nebelwäldern gedeihen. In noch höheren Lagen ab 2000 Meter sind sie dagegen selten anzutreffen. Sie siedeln sich gerne entlang von Bahnstrecken oder an Flussufern an – nach einem Holzeinschlag sind sie die ersten Pflanzen, welche die Wunde schliessen. Einige Arten hängen allerdings von den schattigen Standorten im primären Regenwald ab – sie sind endemisch und durch die Zerstörung des Waldes vom Aussterben bedroht.

Schon seit der Mitte des 18. Jahrhunderts schätzt man ihre dekorativsten Arten als exotische Zierpflanzen – auch als Schnittblumen von langer Haltbarkeit sind sie beliebt. Und sie fehlen in keiner Ausstellung botanischer Gärten rund um den Erdball. Sogar zur Nahrung werden sie von einigen Eingeborenen herangezogen, die ihre Blüten in Wasser garen und verzehren, wenn andere Nahrungsmittel knapp werden.