Orchideen im Amazonien

Veröffentlicht am 22. November 2011 - 11:54h

In diesen wahrhaft göttlichen Schöpfungen pflanzlicher Natur den Orchideen, entdecken wir sozusagen unsere Realität gewordenen Träume von ästhetischen Formen und Farben. Eine Orchidee als Geschenk zu erhalten, wird stets von der beschenkten Person als eine ganz besondere Ehre empfunden, und der, der sie überreicht, hat die Gewissheit, einen tiefen Eindruck hinterlassen zu haben. Orchideen sind der Adel unter den Pflanzen und Blüten dieser Welt – und sie haben sich ihren besonderen Status in der Natur bis heute bewahrt.

Als Orchideen bezeichnet man alle Pflanzen innerhalb der Familie Orchidaceae, die zu der Ordnung Asparagales gehört, und die ist eine der grössten existenten Familien überhaupt. In ihr kommen unzählige, variantenreiche Formen, Farben und Grössen vor – Spezies aus dieser Familie trifft man auf allen Kontinenten (ausgenommen die Antarktis), vorwiegend in tropischen Regionen. In ihrer Mehrzahl sind sie Epiphyten, das heisst, diese Orchideen wachsen auf Bäumen, welche sie nur als Stütze benutzen, um ans Licht zu kommen – sie sind nicht als Parasiten zu betrachten, denn sie zapfen den Kreislauf ihrer Wirtspflanze nicht an, sondern ernähren sich lediglich von in Zersetzung begriffenem Material, welches von den Bäumen fällt und sich in ihren Wurzeln verfängt. In freier Natur vermehren sie sich in erster Linie mittels Samenverbreitung – kultiviert, auch durch Wurzelteilung.

Im Vergleich mit ihrer enormen Anzahl und Verschiedenheit der Arten, gibt es eigentlich nur sehr wenige Beispiele für eine kommerzielle Nutzung der Orchideen – abgesehen von ihrer ornamentalen Verwendung natürlich. Unter diesen Nutzungsbeispielen ist eins der wenigen die Produktion der Vanille – aus den Früchten einiger Arten der Gattung Vanilla – aber auch die wird von einem künstlich hergestellten, sehr ähnlichen Aroma eingeschränkt, das weniger kostenaufwendig ist. Und auch für ornamentale Zwecke wird nur ein kleiner Teil der Orchideenarten verwendet, denn die grössere Mehrheit präsentiert sich nur mit kleinen Blüten und wenig attraktiven Blättern. Auf der anderen Seite haben Züchter aus der Not eine Tugend gemacht, indem sie aus den wenigen auffälligen Arten Tausende von unterschiedlichen Hybriden aufgezogen haben, die kommerziell voll im Trend liegen – also müssen sie sich nicht aus der freien Natur mit Orchideen bedienen, und das ist gut so.

Egret orchid
Goering's cymbidium orchid
Caladenia flava ssp flava, Modong Nature Reserve, Jandakot Regional Park, near Perth, WA, 20/09/17
Elythranthera brunonis, Modong Nature Reserve, Jandakot Regional Park, near Perth, WA, 20/09/17
Céphalanthère rouge
Céphalanthère rouge
Céphalanthère rouge
Céphalanthère rouge
Cryptostylis erecta - 1020552
Cryptostylis subulata - 1020526
Stegostyla gracilis 3
Stegostyla gracilis 1
Stegostyla gracilis 2
Diuris sulphurea 4
Diuris sulphurea 3
Diuris sulphurea 2
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Obwohl also die grosse Mehrheit der Orchideenarten eher unauffällige Blüten hervorbringt, sind gerade sie von besonderer Attraktivität für Liebhaber und Sammler, die sich in „orchidophylen Vereinen“ zusammengeschlossen haben, die in vielen Städten rund um den Globus existieren. Sie präsentieren periodische Vorträge und Ausstellungen und tragen nicht wenig dazu bei, das Interesse an diesen Pflanzen auszuweiten und professionelle Züchter anzuregen, auch solche Spezies künstlich zu reproduzieren, die bisher als von geringem ornamentalen Wert angesehen wurden – um damit den Druck auf die Ausbeutung der noch in freier Natur vorkommenden Pflanzen zu mindern.

Bei einer so weiten geografischen Verbreitung ist es klar, dass eine so unterschiedliche Pflanzengruppe auch die Fähigkeiten mitbringt, sich den unterschiedlichen Klimata anzupassen – und auch den unterschiedlichen Bestäubern in ihrem jeweiligen Lebensraum. Es handelt sich nämlich bei den Orchideen um eine Familie, die in einem aktiven Evolutionszyklus begriffen ist, und ihre näher verwandten Gattungen kreuzen sich mit einer gewissen Simplizität in der Natur. Damit fordern sie das alte botanische Gesetz heraus, nach dem eine Spezies von solchen Individuen geschaffen wird, die in der Lage sind, sich mit der Produktion fruchtbarer Nachkommen zu kreuzen.

Die Vorherrschaft der Spezies vollzieht sich in den tropischen Regionen, bemerkenswerterweise in Bergregionen, die natürliche Barrieren darstellen und die diversen Pflanzenpopulationen isolieren. Einige bedeutende Areale sind die Berge Kolumbiens und Ecuadors, sowie die Inseln und der kontinentale Streifen des asiatischen Südostens, wo man eine besonders grosse Anzahl Arten finden kann – infolge dieser natürlichen Barrieren hat sich dort eine erhöhte Anzahl endemischer Arten entwickelt. Wahrscheinlich an dritter Stelle des Artenreichtums bezüglich der Orchideen, steht der Atlantische Regenwald Brasiliens – mit mehr als 1.500 Spezies. Weitere bedeutende Gebiete sind die Berge im Süden des Himalayas in Indien und China, die Berge Mittelamerikas und der afrikanische Südosten – inklusive die Insel Madagaskar. Kolumbien ist das Land mit den meisten registrierten Orchideenarten – 4.010 wurden dort insgesamt klassifiziert – gefolgt von Ecuador mit 3.549 Arten. Es folgt Neu Guinea, mit 2.717, dicht gefolgt von Brasilien, mit 2.590 Orchideen-Spezies. Unter anderen, sind Borneo, Sumatra, Madagaskar, Venezuela und Costa Rica ebenfalls Länder mit einer bemerkenswerten Anzahl an Spezies.

Hier eine grobe Aufstellung der Verteilung von Orchiedeenarten auf die einzelnen Kontinente:

  • Eurasien – zwischen 40 und 60 Gattungen
  • Nordamerika – zwischen 20 und 30 Gattungen
  • Lateinamerika und die Karibik – zwischen 300 und 350 Gattungen
  • Tropisches Afrika – zwischen 125 und 150 Gattungen
  • Tropisches Asien – zwischen 250 und 300 Gattungen
  • Ozeanien – zwischen 50 und 70 Gattungen
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