Amazonas-Regenwald fällt weiter Kettensägen zum Opfer

Veröffentlicht am 17. Dezember 2016 - 21:59h unter Aktuelles aus Brasilien

Foto: Tomaz Silva/Agencia Brasil

Die Vernichtung des Amazonas-Regenwaldes nimmt wieder zu. Knapp 8.000 Quadratkilometer sind zwischen August 2015 und Juli 2016 abgeholzt worden. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einer Zunahme von 29 Prozent, wie vom brasilianischen Raumforschungsinstitut Inpe bekannt gegeben worden ist.

Eine Steigerung der Kahlschlagsrate hatte das Inpe schon für 2014/2015 registriert. Jetzt ist sie jedoch sprunghaft angestiegen. Die Kahlschlagsfläche von 7.989 Quadratkilometer ist etwa 15 Mal so groß wie der Bodensee mit seinen 536 Quadratkilometern. Eine so hohe Abholzungsrate wurde seit 2008 nicht mehr verzeichnet.

Kettensägen haben vor allem im Bundesstaat Pará für Verwüstung gesorgt. Dort liegen 37 Prozent der gesamten Kahlschlagsflächen. Die größte Steigerung haben die Forscher des Inpe hingegen im Bundesstaat Amazonas registriert. Im Vergleich zu 2014/2015 sind dort im vergangenen Jahr 54 Prozent mehr Regenwald vernichtet worden.

Lediglich in zwei der neun den Amazonas-Regenwald umfassenden brasilianischen Bundesstaaten ist eine Verringerung der kriminellen Holzaktivitäten verzeichnet worden, in Amapá und in Mato Grosso. Letzterer steht beim traurigen Kahlschlagsflächenranking allerdings hinter Pará auf dem zweiten Platz.

Angesichts der seit zwei Jahren wieder zunehmenden Raten, scheint das weltweit gelobte Programm zur Reduzierung der Kahlschläge im Amazonas-Regenwald an Effektivität verloren zu haben. Als das Programm 2004 eingeführt worden ist, lag die Kahlschlagsfläche mit 27.772 Quadratkilometern jedoch mehr als dreimal so hoch wie 2015/2016.

Ein Problem ist die geringe Zahl von Mitarbeitern der Kontrollbehörden, wie der Umweltbehörde Ibama, die für riesige und schwer zugängliche Gebiete verantwortlich sind. Umweltminister Sarney Filho konstatiert hingegen, dass seit Juni die für den Regenwaldschutz zuständigen Organe eine Erhöhung der Mittel erhalten hätten.

Die Kriminellen haben sich aber längst auf die Kontrollmechanismen eingestellt. Weil große Flächen über die Satellitenbilder einen Alarm auslösen, ist eine Taktik die Abholzung kleinerer Bereiche. Genutzt werden ebenso Regenperioden mit einer „schützenden“ Wolkendecke. Eine andere Taktik ist, unter großkronigen Bäumen abzuholzen sowie die Entnahme von Einzelbäumen.

Soll das beim Weltklimagipfel gegebene Versprechen der „Null-Abholzung“ bis 2030 eingehalten werden, ist eine neue Strategie zur Bekämpfung der Holzmafia notwendig, sind sich Umweltschützer und Forscher einig.

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