Der Amazonasregenwald als lebende Apotheke

Veröffentlicht am 31. Mai 2014 - 06:05h unter Aktuelles aus Brasilien

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIm Bundesstaat Amazonas sollen künftig verstärkt Pflanzen aus dem Regenwald als Heilmittel eingesetzt werden. Geschehen soll dies mit dem Projekt “Lebende Apotheke”. Ein Workshop zu diesem Thema, der diese Woche in der etwa 50 Kilometer von Manaus entfernten Stadt Manquiri stattfand, stieß auf großes Interesse und das nicht nur bei Akademikern und Forschern, sondern ebenso bei Fachkräften aus dem Gesundheitswesen.

Während in der offiziellen Liste der Phytotherapeutika Brasiliens viele ausländische Heilpflanzen wie Eukalyptus oder Rosmarin enthalten sind, wird in Amazonas auf die Heilkraft der Natur vor Ort gesetzt. Bereits im Jahr 2006 wurde im landwirtschaftlichen Trainingszentrum von Manaquiri dazu eine “Pflanzenschule” angelegt. Sie umfasst eine Fläche von 150 Hektar, auf der 120 verschiedene Kräuter und Sträucher aus dem Amazonasregenwald angezogen werden. Derzeit stehen dort etwa 50.000 Jungpflanzen.

Die Pflanzen heilen tatsächlich, wie Juan Revilla sagt. Er ist Wissenschaftler des Amazonas-Forschungsinstitutes Inpa und Initiator des Projektes. Seiner Meinung nach könnte ein Großteil der Menschen, die in den Basiszentren des öffentlichen Gesundheitswesen Hilfe suchen, mit der Medikamenten aus der “Lebenden Apotheke” behandelt werden. Ein Ziel des Projektes ist es deshalb, diese Einrichtungen mit den wichtigsten Heilpflanzen auszustatten. Darüber hinaus wird die Bevölkerung ermutigt, in ihrem eigenen Garten die Kräuter aus der Pflanzenschule “Lebende Apotheke” anzubauen und sich in die Kunst des Heilens einweisen zu lassen.

Bei dem Workshop stieß das Vorhaben auf große Zustimmung. Akademiker, Forscher, Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen sprachen sich dafür aus, das Projekt voranzutreiben. Damit sollen nicht nur die oft überfüllten Gesundheitsposten unterstützt werden, auch die Lebensqualität der Bevölkerung könnte so erhöht werden, wie eine Akademikerin den Plan zusammenfasste.