Vegetarische Piranha und schnurrende Affen – zwei von 441 neu entdeckten Arten im Amazonas-Regenwald

Veröffentlicht am 2. November 2013 - 22:30h unter Aktuelles aus Brasilien

Ein schnurrender Affe, ein vegetarischer Piranha und ein Frosch, gerade einmal so groß wie der Fingernagel des Zeigefingers: dies sind drei Beispiele von den in den vergangenen drei Jahren neu entdeckten Tierarten im Amazonasgebiet. Die Gesamtzahl liegt allerdings wesentlich höher. Allein zwischen 2010 und 2013 wurden 441 Tier- und Pflanzenarten verzeichnet, die Biologen und Wissenschaftlern bis dahin unbekannt waren. Mit anderen Worten: alle zwei Wochen wurde eine neue Tier- oder Pflanzenart entdeckt.

piranha

Dahinter steckt viel Arbeit. Hunderte Expeditionen wurden in den vergangenen drei Jahren von den verschiedensten Experten durchgeführt. Tausende Daten wurden gesammelt, Tier- und Pflanzenarten bestimmt und dabei neue Arten entdeckt. Als “neu entdeckt” werden Arten bezeichnet, die von den Experten bisher noch nicht eindeutig klassifiziert, in wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht und von der Wissenschaft als neue Arten anerkannt wurden. Die Expeditionen im Amazonas-Regenwald brachten allerdings etliche Neuentdeckungen zu Tage: 258 Pflanzenarten, 84 Fischarten, 58 Amphibien, 22 Reptilien, 18 Vögel und ein Säugetier. Nicht mit einbezogen sind die zahllosen Insektenarten und Kleinstlebewesen (Invertebras). Zusammengeführt wurden die Daten vom World Wildlife Fond (WWF) der das beeindruckende Ergebnis nun bei der Aktionswoche “I Love Amazon Week” vorstellte.

Einige der erstmals wissenschaftlich klassifizierten Arten erstaunten selbst die Experten, wie der Affe der Spezies Caquetá titi (Callicebus caquetensis). Dessen Junge haben eine besondere Eigenschaft: Fühlen sie sich wohl, schnurren sie wie Katzenbabys. Die Piranha-Art Tometes camunani ging einem jungen Forscher bei einer Expedition auf dem Fluss Trombetas im Westen des brasilianischen Bundesstaates Pará ins Netz. Entgegen ihrer fleischfressenden Verwandten ernährt sie sich ausschließlich von Wasserpflanzen. An einen extrem niedrigen Sauerstoffgehalt hat sich der Fisch Apistogramma cinilabra angepasst, der bisher lediglich in einem einzigen See in der Region von Loreto in Peru gefunden wurde. Aus dem Reich der Orchideen wurden gleich 45 neue Arten entdeckt, unter anderem die rosa-farbene Sobralia imavieirae.

Einen eher traurigen Namen haben die Wissenschaftler dem Winzling unter den Fröschen zugedacht, dem nur einen guten Zentimeter großen Allobates amissibilis, der in Guyana entdeckt wurde. Amissibilis bedeutet soviel wie “er könnte verloren sein”. Er erhielt den Namen, weil er tatsächlich schon, kaum entdeckt, vom Aussterben bedroht ist. Damit ist er nicht allein. Viele der neuen Arten kommen lediglich auf einem eng begrenzten Raum innerhalb des Amazonas-Regenwaldes vor und an sonst keinem anderen Ort der Welt. Allein diese Tatsache macht sie bereits äußerst anfällig gegenüber Veränderungen ihres Lebensraumes, sei es durch Abholzung, Wasserverschmutzung, neue Siedlungen oder durch wirtschaftliche Interessen.

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Die Forschungsergebnisse zeigen, wie wichtig das Amazonasgebiet für die Menschheit ist, so der Leiter der Initiative “Viva Amazônia” des WWF, Claudio Maretti. Er verweist darauf, dass weitere Studien notwendig sind, auch um das Ökosystem Regenwald besser zu verstehen und letztlich schützen zu können. “Wir können es uns nicht erlauben, diesen Reichtum zu verlieren und nicht kennenzulernen”, konstatiert Maretti auf der Internetseite des WWF in Brasilien. Nach seiner Meinung sind die Schutzgebiete die beste Form, das Biom mit seinem Artenreichtum zu erhalten. Die Schutzgebiete sollten dabei als integrierte Elemente einer nachhaltigen Entwicklung angesehen werden.

Das Amazonasgebiet, das sich über neun Staaten erstreckt, ist mit einem immensen Artenreichtum ausgestattet. Das mit seinen 6,7 Millionen Quadratkilometern größte zusammenhängende, tropische Waldgebiet der Erde bietet mindestens 10 Prozent der weltweit bekannten Arten einen Lebensraum. Es ist das größte hydrografische Becken der Erde, zu dem, neben dem fast 7.000 Kilometer langen Amazonasstrom, mehr als 100.000 Kilometer Fließgewässer gehören. Die Wissenschaftler sind sich zudem einig, dass das Amazonasgebiet im Zusammenhang mit dem globalen Klima eine extrem wichtige Rolle spielt.

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