Bolivien gibt Schutzgebiet zugunsten Straßenbaus frei

Veröffentlicht am 20. Januar 2018 - 17:48h unter Aktuelles aus Bolivien

Foto: Luciana Macedo/Fotos Publicas

Forscher der Universität San Andrés sowie europäische Institutionen protestieren gegen den Beschluß der bolivianischen Regierung zur Aufhebung des Schutzstatus des Indio-Territoriums und Nationalparks Isiboro-Sécure (Tipnis). Mit dem Akt wird eins der artenreichsten Gebiete der Welt sowie die dort lebenden indigenen Völker bedroht, schreiben sie in einer Veröffentlichung.

Das im Amazonas-Regenwald Boliviens gelegene Indio-Territorium und Nationalpark Isiboro-Sécure umfasst in etwa eine Fläche von 13.700 Quadratkilometer. Von den Wissenschaftler wird es als eine der vielfältigsten Bereiche Amazoniens eingestuft. Genau dort soll nach den Plänen der Regierung jedoch eine 177 Kilometer lange Straße hindurchführen.

Was auf den ersten Blick nicht sehr dramatisch erscheint, kann sich im Amazonas-Regenwald allerdings verheerend auswirken. Bei wenige Meter breiten Straßen bleibt es in der Regel nicht. Vielmehr wird oft entlang der Trassen abgeholzt.

Zwischen 2000 und 2014 hat das Tipnis bereits 46.000 Hektar Regenwald verloren. Der Großteil (58 Prozent) der Kahlschläge ist in einem fünf Kilometer breiten Streifen entlang von Straßen und Wegen geschehen. Die dienen nicht unbedingt nur der Beförderung von Lebensmitteln. Vielmehr würden die Rodungen in einem Gebiet liegen, in dem der Coca-Anbau auf dem Vormarsch ist.

Der Bau der insgesamt 306 Kilometer langen Straße im Zentrum Boliviens zur Verbindung der Provinzen Cochabamba und Beni wird seit Jahrzehnten diskutiert. 2011 gewann das Vorhaben jedoch durch die Finanzierung über die brasilianische Entwicklungsbank BNDES Auftrieb.

Begonnen wurde mit dem Bau 2013. Während der südliche und nördliche Straßenabschnitt bereits fertiggestellt ist, stand den 177 Kilometern in der Mitte das 2011 erlassene Schutzgebiet Tipnis entgegen. Der bolivianische Kongress hat 2017 allerdings ein neues Gesetz erlassen und für den Bau der Straße den Schutzstatus aufgeweicht.

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