Expansion im Regenwald

Veröffentlicht am 1. Dezember 2011 - 01:19h

Bolivien besitzt einen beträchtlichen Regenwaldbestand in seinen Tieflandgebieten: Das Bolivianische Amazonien bedeckt 59,6 Millionen Hektar, von denen zirka zwei Drittel bewaldet sind. Und etwa die Hälfte von Boliviens Walddecke besteht aus Primärwald.

Zwischen 1986 und 1990 präsentierte das Land eine geringe Abholzungsquote – um 0,2% pro Jahr – dank verschiedener Faktoren, inklusive der Aufmerksamkeit jener Regierung auf die Tieflandgebiete des Landes, auf die extreme Armut desselben (die Regierung konnte es sich nicht leisten, die Waldentwicklung oder irgendeine Infrastruktur zu subventionieren), und auf den eigenen schwachen Exportmarkt. Allerdings hat sich dann während der 90er Jahre Boliviens Abholzungsquote mehr als verdoppelt – auf 270.400 Hektar pro Jahr. Die Regierung überschrieb 20 Millionen Hektar an Nutzholz-Unternehmen, des Weiteren wurden weite Regenwaldflächen für den Soja- und Coca-Anbau gelichtet. Obwohl die Regierung Gesetze erliess, welche von der Holzindustrie eine Wiederaufforstung verlangten, um eine Erhaltung des Waldes zu sichern, entgingen zahlreiche Unternehmen dieser Auflage durch ein Hintertürchen. Mehr noch, illegale Holzschmuggler verschoben die Edelhölzer nach Brasilien, wo sie als brasilianische Produktion exportiert wurden.

Heutzutage geht auch in Bolivien die Abholzung weiter, allerdings hat das Land nun mehr als zwei Millionen Hektar seiner Wälder offiziell zur Abholzung frei gegeben und bescheinigt – damit steht es weltweit an der Spitze offizieller Abholzungsbescheinigung – so der WWF. Im Jahr 2005 erwirtschaftete der offizielle Waldnutzungssektor Boliviens 16 Millionen US-Dollar aus Exporten – eine beträchtliche Summe, wenn man sie mit dem offiziell angegebenen lumpigen Volumen seiner Holzexporte vergleicht (2.000 Tonnen im Jahr 2002 nach FAO).

Noch grössere Bedrohung entsteht den bolivianischen Wäldern durch die Öl- und Gasförderung, die Ausweitung der kommerziellen Landwirtschaft, der existenziellen Landwirtschaft und Feuerholzsammlung, sowie der Erweiterung von Weideflächen für die Viehzucht. Im Jahr 2005, während des Trockenheits-Rekordjahres in Amazonien, sind für die landwirtschaftliche Erweiterung gelegte Waldbrände ausser Kontrolle geraten. Insgesamt haben sich um die 500.000 Hektar Wald und Weideland in Rauch aufgelöst. Solche Rodungsfeuer werden in Zukunft eher zunehmen, wenn der Druck der invadierenden Bevölkerung steigt, und die Amazonasregion wegen des Klimawechsels zunehmend trockenen Bedingungen unterworfen sein wird.

Es ist unklar, wie die Wahl des ersten bolivianischen Präsidenten indianischer Abstammung, Evo Morales, die Entwicklung in den Regenwaldgebieten beeinflussen wird. Bis zum Februar 2006 hatte Morales weder die Energieprojekte seines Landes blockiert, noch sich für eine Expansion der Coca-Ernte ausgesprochen.

Bolivien ist eins der ärmsten Länder der Westlichen Hemisphäre und ist abhängig von der fremden Unterstützung multilateraler Führer und ausländischer Regierungen. Boliviens hohe internationale Verschuldung hat interessante Möglichkeiten für den Umweltschutz präsentiert. 1987 führte “Conservation International“ den ersten “Dept-for-nature“ Schuldschein ein – indem die Organisation 650.000 Dollar bolivianischer Schulden für nur 100.000 US-Dollar kaufte. Als Gegenleistung für den Erlass dieser Teilrückzahlung seiner internationalen Schulden, stimmte das Land zu, einen Fond zu entwickeln, um den Umweltschutz zu promovieren und eine erhaltende Entwicklung zu fördern, Programme zur Erziehung für die Umwelt zu erweitern, Land zu kaufen und die Landbewirtschaftung zu verbessern. Nach dem scheinbaren Erfolg des Projekts, im Dezember 1996, kamen die USA und Bolivien überein, 880.000 Hektar Regenwald unter Schutz zu stellen, sowie in und um den “Noel Kempff Mercado Nationalpark“ die erhaltende Nutzung der Natur zu propagieren – als Teil einer internationalen Anstrengung, die Emissionen von Treibhausgasen zu verringern. Im Dezember 2005 wurde das Projekt auf 1,5 Millionen Hektar erweitert.

Inklusive des “Noel Kempff Mercado Nationalparks” stehen mehr als 11% des bolivianischen Territoriums unter Naturschutz. Bolivien steht in der Welt an zwölfter Stelle der Länder mit der grössten Biodiversifikation – mit 2.194 klassifizierten Amphibien-, Vogel-,Säugetier- und Reptilienarten – und mehr als 17.000 Arten von Pflanzen! Im Jahr 2005 machte Boliviens Biodiversifikation Schlagzeilen in wissenschaftlichen Medien, als Dr. Rober Wallace, von der “Wildlife Conservation Society“ eine neue Spezies von Springaffe (Familie: Callicebus) im geschützten Madidi-Gebiet entdeckte. Der Affe ist bekannt durch seinen typischen, territorialen “Gesang“.

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