Diesel-Baum

Veröffentlicht am 31. März 2012 - 15:04h unter Bäume
Überblick
  • Portugiesisch: Copaíba
  • Art: Copaifera langsdorffii
  • Familie: Fabaceae (Hülsenfrüchtler)
Foto

Der mächtige Diesel-Baum aus dem brasilianischen Regenwald – er stammt aus einer Unterfamilie der Johannisbrotgewächse (Caesalpinioideae) und gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) – hat in unserer modernen Zeit der Verknappung fossiler Brennstoffe weltweites Interesse geweckt: Er wird als der ertragreichste Produzent von “nachwachsenden Kraftstoffen“ angesehen. Deshalb haben ihn die Amerikaner auch gleich “Diesel Tree“ getauft.

Morphologische Merkmale

Der Baum mit dem bezeichnenden Namen erreicht Höhen zwischen 20 und 35 Metern – sein Stamm hat einen Querschnitt von zirka 1 Meter. Seine immergrünen Laubblätter werden zwischen 5 und 10 Zentimeter lang – sie setzen sich zusammen aus zwei oder vier Paaren gegenständiger Fiederblättchen. Die haben jeweils einen kurzen Stiel, sind zwischen 2 und 6 cm lang und 1,5 bis 2,5 cm breit. Eine grosse Zahl weisslicher Blüten bilden rispenartige Blütenstände. Die konkaven Kelchblätter sind innen behaart – es sind keine Kronblätter vorhanden. Die Anzahle der freien Staubblätter liegt zwischen 8 und 10.

Die kleinen, eiförmigen Früchte sind gelb bis tief rot und ölig, 2 bis 3 Zentimeter gross und enthalten einen einzigen schwarzen Kern, der zum Teil von einem fleischigen Samenmantel (Arillus) umgeben ist.

Herkunft

Amazonien

Verbreitung

Weil er eine Pflanze der tropischen Regenwälder ist, findet man ihn im tropischen Afrika, in Mexiko, den Antillen und im brasilianischen Amazonien, wo er wahrscheinlich einst seinen bevorzugten Lebensraum gefunden hat, sodass er als “aus Amazonien stammend“ gilt.

copaifera langsdorffii
copaifera langsdorffii
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Copaifera langsdorffii
Copaifera langsdorffii
Copaifera langsdorffii
Copaifera langsdorffii
Copaifera langsdorffii
Copaifera langsdorffii
Capaúva centenária
Lifeblood  .  .  .
Diesel tree or kerosene tree Copaifera langsdorffii (Fabaceae), Atlantic forest, Brazil
Capaúva morrendo / capaúva dying
Volkswagen Fusca 1973
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Beschreibung

Er besitzt ein stark poröses, leichtgewichtiges Holz, dessen Poren mit einem Öl gefüllt sind. Man zapft es ab, indem man Löcher in den Stamm schneidet, in denen sich dann das Öl sammeln kann – pro Baum und Jahr kann man mit zirka 50 Litern rechnen. Allerdings kann man es nicht lange lagern, da es instabil wird. Ein Jahresertrag von zirka 10.000 Litern auf einem Hektar ist realistisch. Jedoch wächst dieser Baum in Gebieten ausserhalb tropischen Klimas nur sehr langsam und ist sensibel. Inzwischen hat man in Australien Versuchsplantagen angelegt.

Andere Trivialnamen für diesen Baum sind: “Copaí, Copaúba, Copiúba, Copaibeira“. Obwohl sein Holz nicht zu den Edelhölzern gehört, kann man es doch recht gut in einer Schreinerei für verschiedene Zwecke verwenden, zum Beispiel für Leisten und Balken, Türpfosten und Fensterrahmen, gedrehte Teile, Waffenschäfte, Werkzeugstiele und -griffe, Besenstiele, Formen für Karosserien, Türfüllungen, Fussböden, Wandverkleidungen etc.

Das “Öl des Copaíba“, welches man durch Bohrungen im Stamm des Baumes gewinnen kann – es ist transparent und hat einen starken Geruch – wurde schon in der Antike von den Indios für therapeutische Zwecke genutzt. Man kann es sowohl äusserlich als auch innen anwenden, denn es wirkt beruhigend und antiseptisch. Die brasilianische Phytotherapie bekämpft damit Blutungen, Husten und Bronchitis, syphilitische Erkrankungen, Hautprobleme, urinale Defekte, Durchfall, Flechten. Es ist eins der am meisten verwendeten Produkten in der Populärmedizin Amazoniens – aus diesem Grund weigert sich der Holzfäller in der Regel, diesen Baum umzulegen, Gewissensbisse, die er sonst in seinem Handwerk eigentlich nicht kennt.

Zur Extraktion des “Öls“ – wahrscheinlich ist der Ausdruck “balsamisches Harz“ treffender – ist ein tiefer Einstich oder ein Bohrloch im Stamm eines ausgewachsenen Baumes notwendig. Nach dem Abzapfen verstopfen die Eingeborenen jenes Bohrloch, wohl wissend, dass sonst der Baum “ausbluten“ und absterben würde. Wenn sie ihn dann wieder brauchen, entfernen sie den Pfropf und zapfen erneut. Einer der “Caboclos“ (Waldbewohner) erzählt: “Ich kenne einen Copaíba, der ist so dick, dass ihn ein Kollege von mir angebohrt und mit einem Wasserhahn versehen hat. Wenn er Copaíba-Öl braucht, sei es für die Lampen in seinem Haus oder gegen eine Krankheit in seiner Familie, braucht er nur den Hahn zu öffnen“.

Nach dem Wissen der “Caboclos“, die das alles von ihren indianischen Vorfahren gelernt haben, muss man sich in aller Stille einem Copaíba-Baum nähern, wenn man ihn “bluten“ lassen will, denn wenn man Lärm macht, steigt das Öl im Baum nach oben und die “Ernte“ ist äusserst gering.

Bitte lachen Sie nicht, denn dieser Aussage liegt viel lokale Erfahrung zugrunde! Oder wollen Sie vielleicht behaupten, dass so eine sich systematisch wiederholende Geschichte nur Zufall ist…?

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