Der Amazonas-Regenwald

Veröffentlicht am 19. November 2011 - 15:39h

Amazonas-Regenwald bezeichnet man den äquatorialen Wald, welcher die grösste Fläche des Amazonien-Territoriums bedeckt. Er ist eines der drei grossen tropischen Waldgebiete der Erde – an Fläche steht er lediglich hinter der sibirischen Taiga zurück, einem Waldgebiet mit Nadelbäumen.

Aus der Vogelperspektive – also von oben gesehen – sieht der Regenwald aus wie ein riesiges Kohlfeld. Es sind die riesigen Kronen der durchschnittlich dreissig Meter hohen Bäume, die sich wie Kohlköpfe aneinander drängen und alles Leben unter ihnen in ein Halbdunkel hüllen. Der grösste Teil seiner fünf Millionen Quadratkilometer – oder 42% des brasilianischen Territoriums – ist von einem Wald bedeckt, der niemals überschwemmt wird, auf einer um 130 bis 200 Meter erhöhten Fläche, welche aus Sedimenten des “Lago Belterra“ (Belterra-See) besteht, der das Amazonasbecken zwischen 1,8 und 25 Millionen Jahren ausfüllte. Zurzeit als sich die Anden bildeten, gruben sich die Flüsse ihr Bett – und daraus resultierten drei Arten von Wald in Amazonien.

Die letzten zwei sind typisch für die brasilianischen Waldgebiete:
  • Gebirgige Anden-Wälder
  • Festland-Wälder
  • Überschwemmte Fluss-Wälder

Der Festland-Wald (Floresta de terra firme) – er unterscheidet sich nur gering vom Anden-Wald, ist nur nicht so dicht – befindet sich auf leichten Erhebungen zwischen 30 und 200 Metern und präsentiert einen Boden, der extrem arm an Nährstoffen ist. Diese Tatsache hat die übrigen Pflanzen zu einer Anpassung ihrer Wurzeln veranlasst, sodass sie mittels einer symbiotischen Gemeinschaft mit einigen Pilzarten die Nährstoffe der auf den Boden fallenden organischen Masse sofort aufnehmen können, bevor sie ausgewaschen werden.

Der periodisch überschwemmte Wald in der Umgebung der Flüsse hat sich ebenfalls den Gegebenheiten des Ambientes angepasst, mit atmenden Wurzeln, welche Poren besitzen, die eine Aufnahme von Sauerstoff aus der Atmosphäre erlauben. Areale auf tiefer gelegenen Flächen, die periodisch von so genannten “Weisswassern“ überschwemmt werden (im Gegensatz zu den “Schwarzwassern“ sind die “Weisswasser reich an organischer Materie), nennt man “Florestas da Várzea“. Die von den Schwarzwassern überfluteten Areale – die dunklen Flüsse durchqueren sandige Böden die arm an Mineralien sind – nennt man “Igapós“. Die Wasserspiegel der Flüsse können periodisch bis zu zehn Metern ansteigen!

Während des Pleistozäns wechselte das Klima in Amazonien zwischen trockener Kälte und feuchter Wärme zu trockener Hitze. Während der letzten kalt-trockenen Phase, etwa 18.000 bis 12.000 Jahre zurück, war das amazonensische Klima halbtrocken – während ein Maximum an Feuchtigkeit vor zirka 7.000 Jahren herrschte. In der halbtrockenen Phase dominierten die offenen Pflanzenformationen – wie Cerrado und Caatinga – mit Refugien, in denen der Wald überlebte. Noch heute existieren Cerrado-Abschnitte im Innern des Regenwaldes!

Der amazonensische Boden ist arm, er besitzt nur eine sehr dünne Schicht von Nährstoffen. Trotz alledem kann sich die üppige Flora und Fauna dank des besagten Gleichgewichts (Climax) im Ökosystem halten. Die Nutzung der Ressourcen ist bestens, Verluste sind minimal. Ein deutliches Beispiel liefert die gleichmässige Verteilung der Mykorrhizapilze am Boden, welche in Symbiose mit den Wurzeln, diesen eine schnelle Absorption der Nährstoffe ermöglichen, die im Regenwasser herumtreiben. Ausserdem bildet sich auf dem Boden eine Kompostschicht aus Blättern, Zweigen und toten Tieren, die schnell in Nährstoffe verwandelt wird, bevor der Regen sie auswäscht.

Etwa nach einem Meter Tiefe wird der Boden sandig und enthält kaum noch Nährstoffe. Aus diesem Grund – und weil ihnen Wasser fast unbegrenzt zur Verfügung steht – sind die Wurzeln der Bäume kurz, und sie halten sich aufrecht mittels gegenseitiger Abstützung. Weil das Licht durch die voluminösen Baumkronen weitgehend am Eindringen gehindert wird, ist eine Kriechvegetation auf dem Boden relativ eingeschränkt, und auch bodenbewohnende Tiere, von solcher Vegetation abhängig, sind entsprechend selten. Der grösste Teil der amazonensischen Fauna besteht vielmehr aus Arten, welche die Baumkronen bewohnen – in dreissig bis fünfzig Metern Höhe. Es gibt keine grosswüchsigen Tiere wie in den Savannen. Vielmehr findet man in den Baumkronen, unter den Vögeln: Papageien, Tukane und Spechte, und unter den Säugetieren: Fledermäuse, Nagetiere, Affen und Beuteltiere.

Die Fauna und Flora Amazoniens wurden im beeindruckenden Werk “Flora Brasiliensis“ (15 Bände), von Carl von Martius beschrieben, einem österreichischen Naturforscher, der einen grossen Teil seines Lebens im 19. Jahrhundert der Erforschung Amazoniens gewidmet hat. Trotzdem verbleibt durch die Diversifikation der Arten und die Zugangsschwierigkeiten zu den hohen Baumkronen auch heute noch ein grosser Teil des faunistischen Reichtums unbekannt.

Das Klima im Amazonas-Regenwald ist äquatorial, heiss und feucht wegen seiner Nähe zur Äquatorlinie, mit Temperaturen, die während eines Jahres nur sehr wenig schwanken. Regenfälle sind häufig und stark, mit jährlichen Niederschlagsmengen zwischen 1.500 mm und 1.700 mm – sie können an der Mündung das Amazonas und an der Küste von Amapá auch die 3.000 mm Grenze überschreiten. Die regnerische Zeit währt sechs Monate.

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