Biodiversifikation Amazoniens

Veröffentlicht am 22. November 2011 - 22:07h

Der Terminus Biodiversifikation, oder biologische Vielfalt, beschreibt den Reichtum und die Vielfalt der Natur also Amazoniens. Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen liefern Nahrungsmittel, Heilmittel und einen grossen Teil der von den Rohstoffen, die vom Menschen verkonsumiert werden. Um zu verstehen, was Biodiversifikation bedeutet, müssen wir diesen Terminus auf zwei unterschiedlichen Ebenen betrachten: zum einen sämtliche Formen des Lebens, so wie sämtliche Gene, die in jedem Individuum enthalten sind – und zum andern die Interrelationen, oder Ökosysteme, innerhalb derer die Existenz einer Spezies in direktem Zusammenhang mit vielen anderen steht.

Die biologische Vielfalt ist einfach überall präsent: inmitten der Wüsten, in den gefrorenen Tundren oder im Wasser schwefelhaltiger Quellen. Die genetische Verschiedenheit hat dem Leben die Anpassungsfähigkeit an die unterschiedlichsten Gegebenheiten des Planeten Erde ermöglicht. Die Pflanzen sind die Basis der Ökosysteme. Und weil sie in feuchten und warmen Gegenden intensiver wachsen und blühen, haben sie sich in tropischen Bereichen in grösserer Vielfalt entwickelt – wie im Beispiel von Amazonien und seiner aussergewöhnlichen Vegetation.

Wieviele Arten existieren in unserer Welt?

Man kennt die genaue Anzahl von Pflanzen und Tierarten auf unserem Planeten nicht. Schätzungen schwanken zwischen 10 und 50 Millionen, aber bis heute haben die Wissenschaftler lediglich 1,5 Millionen Arten klassifiziert und ihnen einen Namen gegeben. Unter diesen Spezialisten wird Brasilien als Land der “Mega-Diversifikation“ bezeichnet. Um die 20% aller in der Welt bekannten Spezies existieren in diesem Land! Und das therapeutische Potenzial der Pflanzen Amazoniens ist inzwischen weltweit bekannt geworden.

Welches sind die prinzipiellen Bedrohungen der Biodiversifikation?

Die Umweltverschmutzung, die exzessive Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, die Expansion der landwirtschaftlichen Grenzen unter Zerstörung des natürlichen Lebensraums, die urbanistische und industrielle Expansion – all das bedeutet für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten die endgültige Ausrottung. Jedes Jahr werden zirka 17 Millionen Hektar Regenwald vernichtet. Schätzungen gehen davon aus, wenn das so weiter geht, werden zwischen 5% und 10% der im Regenwald beheimateten Spezies innerhalb der nächsten 30 Jahre ausgestorben sein.

Die moderne Gesellschaft, insbesondere die reichen Länder, vergeuden einen grossen Teil der natürlichen Ressourcen. Die hohe Produktion und der Gebrauch von Papier, zum Beispiel, ist eine konstante Bedrohung für die Wälder. Die exzessive Ausbeutung einiger Spezies kann ebenfalls zu deren Ausrottung führen. Wegen des Gebrauchs von Pulver aus dem Horn des asiatischen Nashorns in der Hausmedizin, zum Beispiel, wurden diese Tiere in Sumatra und Java bis zu ihrer Ausrottung verfolgt.

Die Luftverschmutzung gehört zu den grossen Bedrohungen der Biodiversifikation unseres Planeten. In Schweden, zum Beispiel, verhindern Luftverschmutzung und Säuregehalt des Wassers, die Existenz von Fischen und Pflanzen in viertausend Seen des Landes. Auch die Einführung von Tier- und Pflanzenarten in ihnen fremden Ökosystemen kann sich katastrophal auswirken, denn sie gefährden die Biodiversifikation einer ganzen Region oder sogar eines ganzen Landes. Ein bekanntes Beispiel ist der Import einer Kröte durch die australische Regierung, in der Absicht, einen Schädling in den Zuckerrohr-Plantagen im Nordosten des Landes unter Kontrolle zu bekommen. Die Kröte und ihre Nachkommen entwickelten sich zu unersättlichen Vertilgern von Reptilien und Amphibien ihres neuen Habitats – sie wurden zu einem weiteren Problem für die Plantagenbetreiber, und nicht zu einer Lösung!

Was versteht man unter “Convention der Biodiversifikation“?

Das ist das erste legale Instrument, mit dem ein Land die Erhaltung und die erneuerbare Nutzung seiner natürlichen Ressourcen garantiert. Mehr als 160 Länder haben diese Vereinbarung unterzeichnet, die im Dezember 1993 in Kraft getreten ist. Der erste Anstoss zu dieser Convention geschah im Juni 1992, als Brasilien eine Konferenz der Vereinten Nationen organisierte und als Gastgeber fungierte – die RIO-92 – um die weltweiten Anstrengungen zum Schutz der Umwelt mit der sozialwirtschaftlichen Entwicklung in Einklang zu bringen. Jedoch ist es noch immer nicht ganz klar, wie man die Convention über die Diversifikation anwenden muss. Die Zerstörung der Wälder, zum Beispiel, wächst mit alarmierender Schnelligkeit. Die Länder, welche die Vereinbarung unterzeichnet haben, zeigen keine politische Disposition, um das Arbeitsprogramm zu realisieren, das von der Convention festgelegt wurde, und dessen Ziel es ist, adäquate Nutzung und Schutz jener natürlichen Ressourcen zu gewährleisten, die in Wäldern, im Küstenbereich und in Flüssen und Seen existieren.

Die Biodiversifikation Amazoniens

In ihr ruhen viele, der Menschheit noch unbekannte Geheimnisse. Die Wälder dieser Region enthalten 60% aller Lebensformen unseres Planeten, aber man schätzt, dass bisher nur etwa 30% davon der Wissenschaft bekannt sind! Wieviele unbekannte Phänomene und neue Arten von Fischen, Vögeln und anderen Tieren und Mikroorganismen sind uns noch unbekannt? Die Tiere sind ein Kapitel für sich: Dutzende von Primatenarten finden zum Beispiel Unterschlupf in der dichten Amazonasvegetation.

Die Entstehung der Biodiversifikation wird gegenwärtig erklärt durch die Theorie der Refugien, nach der Gruppen von Tierarten sich in Vegetationsinseln isoliert haben und dort einem Spezialisierungsprozess unterworfen wurden. Als jene Inseln sich dann später wieder zu einer immensen grünen Fläche gruppierten, war die Basis der floristischen und animalischen Diversifikation bereits vorhanden. Amazonien verfügt allein über mehr als 3.000 Baumarten, die von der Fragilität des Ökosystems abhängen. Gigantische Bäume – einige mit mehr als 50 Meter Höhe – leben praktisch vom Humus, der aus der sich zersetzenden pflanzlichen Materie anfällt. Über die gesamte Vielfalt der tierischen und pflanzlichen Spezies, sowie über die biomedizinischen Eigenschaften, Weiss man immer noch recht wenig. Man schätzt, dass die Diversifikation der Bäume in Amazonien zwischen 40 und 300 Arten pro Hektar schwankt!