Das Amazonasbecken

Veröffentlicht am 22. November 2011 - 21:59h

Das grösste hydrografische Becken der Erde – das Amazonasbecken – wird aus drei verschiedenen Richtungen gespeist: den Wasserscheiden der Andenkette, denen des Guyana-Plateaus und jenen aus dem brasilianischen Zentralplateau. Sein bedeutendster Strom wird in Peru geboren (auf 5.170 m Höhe), mit dem Namen Rio Marañon, und er nimmt an der Grenze zu Brasilien den Namen Rio Solimões an – bis zum Zusammenfluss mit dem Rio Negro. Von da an hat man ihn “Amazonas“ benannt.

Er ist der längste 6.850 (nach einer neuen Messung vom Juni 2007) und auch an Wasservolumen gewaltigste Strom auf unserem Planeten – der insgesamt 5,5 Millionen Quadratkilometer bewässert, 3,9 Millionen davon in Brasilien. Seine gigantischen Superlative erklären sich aus seinen über 10.000 Zuflüssen (von denen zirka 1.000 durchaus bedeutende Nebenflüsse sind – 17 seiner Nebenflüsse sind selbst über 1600 Kilometer lang), die aus beiden Hemisphären kommend (der Äquator verläuft über der Amazonasregion), dem Amazonas praktisch eine doppelte Menge an Wasser aus den jeweiligen sommerlichen Regenfällen zuführen.

Die Quellen der Zuflüsse des Amazonasstroms befinden sich in den meisten Fällen auf den Hochebenen der Guyanas und Brasiliens, in Venezuela, Kolumbien, Peru und Bolivien – zusammen bilden sie das grösste hydroelektrische Potenzial des Kontinents. Wo sie das sedimentäre Becken erreichen, welches eben verläuft, werden sie schiffbar. Der Amazonasstrom selbst, er im Zentrum des Beckens dahinfliesst, ist fast in seiner Gesamtlänge schiffbar. Auf brasilianischem Territorium fliesst er durch die Bundesstaaten Amazonas, Pará, Amapá, Acre, Roraima, Rondônia und Mato Grosso. Unter den bedeutendsten Nebenflüssen seines linken Ufers sind: Japurá, Napo, Negro und Trombetas – die bedeutendsten des rechten Ufers sind: Juruá, Purus, Madeira, Xingu und Tapajós.

Die bedeutendsten Flüsse des Amazonas-Beckens:
  • Rio Amazonas (6.448 km)
  • Rio Japurá (2.816 km)
  • Rio Jari (605 km)
  • Rio Juruá (3.283 km)
  • Rio Madeira (1.450 km)
  • Rio Napo (1.480 km)
  • Rio Negro (2.253 km)
  • Rio Purus (3.210 km)
  • Rio Tapajós (810 km)
  • Rio Tocantins (2.450 km)
  • Rio Trombetas (710 km)
  • Rio Xingu (1.980 km)

Amazonien ist nicht die “Lunge der Welt”!

Es ist nicht bekannt, wer diesen Ausdruck geprägt und zum ersten Mal benutzt hat – sinngemäss stellt er die Behauptung auf, dass in Amazonien eine enorme Produktion an Sauerstoff stattfindet, von der unser gesamter Planet profitiert – dem ist nicht so, sagen die Gelehrten! Wissenschaftliche Untersuchungen demonstrieren, dass sich der Amazonas-Regenwald in einem “ökologischen Climax“ befindet: Sämtliche Biomasse (das Gesamt aller lebender Materie dieser Region) wird von anderen Organismen wieder für ihren Metabolismus genutzt und so in Kohlendioxyd umgewandelt. Es stimmt zwar, dass der Regenwald während des Tages eine immense Menge an Sauerstoff mittels Fotosynthese produziert, jedoch alle höheren Pflanzen und all die anderen Organismen, welche innerhalb dieser Waldgemeinschaft leben, atmen 24 Stunden am Tag – mit anderen Worten: der gesamte Sauerstoff, den der Regenwald produziert, wird für seine eigene Atmung auch wieder verbraucht! Man sollte auch hervorheben, dass der Amazonas-Regenwald eine enorme Kohlereserve darstellt – wenn er angesteckt wird, produziert er Kohlendioxyd und erhöht damit den globalen Erwärmungseffekt.

Amazonien ist also nicht “die Lunge der Welt“ im herkömmlichen Sinn! Aber weil dieser Titel anscheinend so “griffig“ ist, erscheint er weiterhin in den Titeln von Zeitungen, Sites, virtuellen Kommunen und Blogs. Die Idee, dass der Regenwald der grösste “Saubermann“ unserer Luft sei und Kohlendioxyd in Sauerstoff verwandele, wurde bereits von vielen Wissenschaftlern erschüttert, aber sie geistert immer noch durch die Medien. Tatsächlich verhindert das Waldsystem der Region die Erosion des Bodens, und es funktioniert wie eine Art riesiger Schwamm, der von Wind und Regen herangetragene Substanzen, in Form von Staub und anderen Schmutzpartikeln, absorbiert. Ausserdem gibt es zahlreiche Beweise dafür – und die Wissenschaft ist sich dessen bewusst – dass die weiten Waldgebiete Nordbrasiliens einen grossen Einfluss auf das Klima unseres Planeten haben. Also – obwohl Amazonien nicht die “Lunge“ ist, ist es doch ein vitales Organ!