Vor 2000 Jahren soll der Süden Amazoniens eine Savanne gewesen sein

Veröffentlicht am 10. Juli 2014 - 23:39h unter Nachrichten aus Amazonien

9288932218_deb32af056_zMindestens ein Fünftel des südlichen Amazonasbeckens, so schätzen Forscher, könnte noch vor 2000 Jahren Savanne gewesen sein. Bisher wurde davon ausgegangen, dass der Amazonas-Regenwald einige tausend Jahre alt ist. Die Forschungsergebnisse, die von einer Gruppe von Wissenschaftlern um John Carson in dem Magazin PNAS der US-amerikanischen Academy of Sciences veröffentlicht wurden, sorgen nun jedoch für neue Diskussionen.

Darüber, wie es in dem größten Waldgebiet der Erde vor Ankunft Christoph Columbus (1492) ausgesehen hat, gibt es verschiedene Thesen. Einige Wissenschaftler gehen von unberührten und nur dünn besiedelten Wäldern aus, die landwirtschaftlich per Brandrodung genutzt wurden. Andere sprechen von einem dicht besiedelten Gebiet und einer Landschaft, die durch Kahlschläge und den Menschen geprägt war. Unterstützt wird letzteres durch den Fund von hunderten geometrischen Gräben und Erdarbeiten im Süden Amazoniens, die als Erdhieroglyphen oder „geometric earthworks“ bezeichnet werden. Hinzu gesellt sich nun die dritte These, dass Bereiche dieses Gebietes vor 2000 Jahren gar nicht erst bewaldet waren.

Zu dieser Annahme kamen die Wissenschaftler um John Carson von der Universität Reading in England, nachdem sie Sedimente und die darin gelagerten Samen analysiert und mit Klimadaten verglichen haben. Untersucht wurden ein nur zwei Meter tiefer See und die von Menschen angelegten geometrischen Erdarbeiten in der Iténiz Region Boliviens an der Grenze zu Brasilien, die von bis zu drei Meter tiefen und vier Meter breiten Gräben und Erdaufschüttungen gekennzeichnet sind. In den tiefer gelegenen Sedimenten wurden dabei erhebliche Mengen Grassamen und auch Maiskörner gefunden, weshalb die Forscher von einer Landbewirtschaftung ausgehen.

Nach dem Vergleich mit Daten aus der Paläoklimatologie folgerten sie zudem, dass das Untersuchungsgebiet um die Zeit Christi weniger feucht war. Die Bevölkerung habe die natürliche und offene Savanne um ihre Siedlungen herum bewirtschaftet, bevor sich der Regenwald aufgrund der klimatischen Veränderung vor 2000 Jahren ausgebreitet habe, heißt es in dem Bericht. Die Ausbreitung des Regenwaldes könnte aber ebenso durch die Ankunft Columbus beschleunigt worden sein, da die mitgebrachten Krankheiten den Tod vieler Indios hervorriefen, die dort das Land bewirtschaftet hatten.