Das Amazonasbecken » Seite 2

Veröffentlicht am 22. November 2011 - 21:59h

Der Wald im Gleichgewicht

Nach Philip Fearnside – Forscher am “Instituto Nacional de Pesquisas da Amazônia” (INPA), Friedensnobelpreisträger (2007) und einer der weltweit respektiertesten Wissenschaftler, wenn es um die globale Erwärmung geht – beginnt der Irrtum bereits bei der “Lunge“ selbst, die man Amazonien verpasst hat: “Eine Lunge spendet keinen Sauerstoff, sondern sie verbraucht ihn“! Der Forscher erklärt, dass sich der Regenwald in einem Gleichgewicht befindet. Das gesamte Kohlendioxyd, welches durch Fotosynthese aufgenommen wurde, wird an die Atmosphäre zurückgegeben, wenn die Pflanzen ausatmen und wenn die Bäume absterben und in Fäulnis übergehen. Fearnside hebt jedoch hervor, dass aus der Erkenntnis gegen die “Lunge der Welt“ nicht abzuleiten sei, dass man den Amazonas-Regenwald ungestraft zerstören könne. Die Abholzung von Millionen Quadratkilometern Wald kann direkten Einfluss auf die Niederschläge haben und den globalen Treibhauseffekt verstärken!

Teufelskreis

Der Wald ist nur im Gleichgewicht, wenn er steht. Wenn ein Brand entsteht oder gelegt wird, werden dadurch grosse Mengen von Kohlendioxyd in die Atmosphäre freigegeben, die den Treibhauseffekt verstärken. Heute steht Brasilien an vierter Stelle unter den grössten Gasemmissoren und Verursacher dieses Problems, und zirka drei Viertel dieser Luftverschmutzung stammen von der Zerstörung des Regenwaldes. Nach Phillip Fearnside ist die Zerstörung des Regenwaldes ein extrem schlechtes Geschäft für Brasilien. Mit der Erwärmung des Planeten droht dem Regenwald ein Teufelskreis der Zerstörung und der Emission von Gasen mit Treibhauseffekt, so der Wissenschaftler: “Im gleichen Mass, wie die Temperaturen in Amazonien ansteigen, werden immer mehr Bäume absterben. Bei höheren Temperaturen brauchen auch die Bäume mehr Wasser – und das Problem der Waldbrände nimmt zu. Und wenn der Boden sich erwärmt, stösst er Kohlendioxyd aus – die grossen Trockenperioden in Amazonien, von denen man im Jahr 2006 bereits einen Vorgeschmack bekommen hat, werden zunehmen“!

Wenn Wasser fehlt

Selbst wenn durch die Brandrodungen des Waldes jene Treibhausgase nicht die globale Erwärmung beeinflussen würden – den Wald abholzen und seine Flächen in Viehweiden oder Plantagen zu verwandeln, würde andererseits den Rhythmus der Niederschläge durcheinander bringen. Fearnside erklärt, dass ein grosser Teil der Regenfälle im zentralen Süden Brasiliens von Dämpfen ausgelöst werden, die mit den Winden aus dem Regenwald des Nordens herangetragen werden. “Wenn man den Regenwald in Viehweiden verwandelt, wird der Regen dortselbst (in Amazonien) fallen und direkt ins Meer gespült werden. Das Wasser wird nicht mehr verdampfen“, sagt er.

Ausser dem fehlenden Trinkwasser – ein Problem, das bereits in periodischen Abständen die Stadt São Paulo heimsucht – wird eine Minderung der Regenfälle sich auch in fehlender Energieversorgung niederschlagen. “Im zentralen Süden gibt es viele Staudämme mit Wasserkraftwerken, die Brasilien Energie liefern. Diese Stauseen füllen sich innerhalb weniger Wochen. Wenn aber der Regen in jenen kritischen Wochen fehlt, reicht das ganze restliche Jahr nicht aus, um sie zu füllen“, führt der Wissenschaftler aus.

Amazonien ist eine Naturregion Südamerikas

Geprägt vom Becken des Amazonasstroms und zum grössten Teil bedeckt mit tropischem Regenwald, welcher sich zu 60% auf brasilianischem Territorium befindet.

Aus regierungspolitischen und wirtschaftlichen Gründen hat man Amazonien in Brasilien innerhalb seiner territorialen Grenzen in Staaten und deren jeweilige Munizipien aufgeteilt – “Amazônia Legal“ nennen es die Brasilianer, und es wurde mit der Gründung der SUDAM (Superintendência do Desenvolvimento da Amazônia) im Jahr 1966 entsprechend definiert.

Auch das entsprechende Biom trägt den Namen Amazonien – es nimmt 49,29 des brasilianischen Territoriums ein und ist damit das grösste terrestrische Biom des Landes. Eine Fläche von sechs Millionen Hektar im Zentrum seines hydrografischen Beckens – inklusive dem Nationalpark Jaú – wurde im Jahr 2.000 von der UNESCO zum “Erbe der Menschheit“ deklariert (im Jahr 2003 wurde diese Fläche erweitert).

Amazonien setzt sich aus den folgenden Ökosystemen zusammen:
  • Ombrophyler, dichter Wald (der so genannte Amazonas-Regenwald);
  • Ombrophyler, offener Wald;
  • Stationärer decidualer und semi-decidualer Wald;
  • Grassavannen;
  • Pionier-Formationen;
  • Gebirgsrefugien;
  • Amazonas-Savannen;
  • Festlandwald;
  • Überschwemmungswald;
  • Galeriewald.

Diese Ökosysteme sind verteilt auf 23 Ökoregionen, welche die folgenden Bundesstaaten erfassen: Acre, Amapá, Amazonas, Pará, Rondônia, Roraima und einen kleinen Teil von Maranhão, Tocantins und Mato Grosso. Einbegriffen sind auch so genannte Transit-Zonen mit einer Übergangsvegetation zwischen Amazonien und den Nachbar-Biomen, wie Caatinga, Cerrado und Pantanal.

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