Der Ressourcen-Gigant

Veröffentlicht am 6. Dezember 2011 - 21:43h

Eine extensive Walddecke und eine geringe Bevölkerungsdichte weist Suriname auf – zirka 400.000 – die sich in der Hauptstadt und den Küstenstädten konzentriert, resultiert in einer der niedrigsten Abholzungsquoten der Welt! Nur 5% der Bevölkerung lebt im Regenwald, und diese Zahl enthält indigene Völker sowie sechs Maroon-Kommunen – Nachkommen entlaufener Sklaven, die vor Jahrhunderten bereits Waldkommunen gründeten und heutzutage in ihrem traditionellen westafrikanischen Stil leben (Ironie ist, dass die westafrikanischen Regenwälder längst vernichtet sind). Konflikte zwischen der Küstenbevölkerung und den Eingeborenen des Waldinnern schlugen sich in einem blutigen sechsjährigen Zivilkrieg nieder, der erst 1992 beigelegt wurde – mit der Unterzeichnung eines Friedensvertrages. Mit dem wurde festgelegt, dass die indigenen Völker des Interiors ein Recht auf ihre indigenen Ländereien besitzen und die Freiheit, wirtschaftliche Aktivitäten dortselbst zu kontrollieren.

Obwohl von der Weltbank unter den 17 potenziell reichsten Ländern der Welt geführt – wegen seinem Gold, Öl, Diamanten und anderen Ressourcen aus der Natur – befand sich Suriname am Anfang der 90er Jahre in einer prekären wirtschaftlichen Situation: Es hatte keinen internationalen Handel, verfallene Industrien, keine ausländische Unterstützung und ein Budget mit 150% höheren Ausgaben als Einnahmen !

In der Mitte der 90er Jahre gewährte die Regierung – verzweifelt auf der Jagd nach Bargeld – ausländischen Edelholz- und Mineralienförderinteressen grosszügige Konzessionen. Etwa 25% des Landes wurden an malaysische und indonesische Holzunternehmen zur Ausbeutung freigegeben. Der Vertrag, voller Schlupflöcher, stellte das Waldland für weniger als 70 US$ pro Hektar zur Verfügung. Eine Analyse des Inhalts zeigte jedoch: während die Holzfirmen mehr als 28 Millionen Dollar pro Jahr, bei einem Vertrag über 25 Jahre, erwirtschafteten, sollte Suriname lediglich 2 Millionen Dollar für die Konzession bekommen. Und ausserdem, nach Auskunft von Waldexperten, ist der einzig profitable Weg der Ausholzung in Suriname der einer Gesamtrodung der jeweiligen Fläche!

Ende des Jahres 1995 vereitelten dann ausgedehnte Proteste einer Koalition von Maroons, Umweltschützern und der lokalen Edelholzindustrie einen Teil des Geschäfts, das sich zu einer Konzession für die indonesische MUSA ausweiten sollte.

Am 7. Oktober 1997 führte die Regierung Surinames ein Forst-Projekt ein, um die Abholzung zu überwachen und zu kontrollieren, zusammen mit der Einrichtung neuer Schutzzonen. Die Kontroverse und der Druck, welche durch den Plan der Übergabe von gigantischen Fallkonzessionen an BERJAYA, MUSA und SURI ATLANTIC im Jahr 1995 entstanden, machten die Regierung nun vorsichtiger gegenüber der Gewährung von Holzkonzessionen, und infolge dessen lehnte sie eine Reihe von Vertragsanwendungen ab. Im Juni 1998 gab die Regierung die Schaffung des „Central Surinamee Wilderness Nature Reserve“ bekannt, ein Naturschutzgebiet von 1.592.000 Hektar.

Während die gigantischen Konzessionen von 1995 nicht verwirklicht wurden, hatten ein paar kleinere Konzessionen gegen Ende der 90er Jahre Erfolg. Die veralteten Forstgesetze – die für die Regierung einen sehr geringen Profit pro gefälltem Baum vorsahen (einen Cent pro Stamm, nach Berichten von Forestsmonitor.org) – wurden allerdings geändert, und das führte dazu, dass die Holzfällerjobs mangels Werkzeugen nunmehr chronisch unterbesetzt waren, die Konzessionskontrolle lasch gehandhabt wurde und der gesamte Einsatz erlahmte. Und so ist es noch heute – allerdings ist die Korruption auf dem Forstsektor auch ein grösseres Problem!

Nach Daten der FAO hat Suriname im Jahr 2002 rund 203.000 Kubikmeter industriellen Rund- und Brettholzes, sowie Holzpaneelen produziert – 35.000 Kubikmeter davon wurden exportiert – also werden immer noch Bäume gefällt. Im August 2003 hat eine internationale Mission der ITTO beobachtet, dass “trotz grosser Anstrengungen der Regierung von Suriname ist das Land noch weit davon entfernt, ein erhaltendes Forst-Management aufbauen zu können, zum Teil wegen ungenügender institutioneller Kapazitäten“.

Der zweitgrösste Grund zur Sorge der Naturschützer ist der sich entwickelnde Bergbau-Sektor. Suriname ist bekannt als Besitzer reicher Gold- und Bauxitvorkommen, und Bergbauunternehmen, die im Land tätig sind, haben eine bewegte Vergangenheit hinsichtlich der Menschenrechte und des Umweltschutzes. Ein Unternehmen, die “Golden Star Resources of Canada“ war verantwortlich für eine massive Ausschüttung von Zyanid im benachbarten Guyana 1995 und verursachte eine erzwungene Verlegung von Hunderten lokaler Bewohner.

Surinames günstige Energiekosten machen das Land attraktiv für das energie-intensive Aluminiumgeschäft. Im Jahr 1960 hat die ALCOA einen Damm in “Afobaka“ gebaut, der 1.560 Quadratkilometer Wald unter Wasser gesetzt hat und einen der grössten künstlichen Seen der Welt schuf.

Ale diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass die Abholzung von Wald auch in Suriname wächst – bis jetzt sind diese Anstrengungen allerdings noch gering. Die FAO hat seit 1990 die Forststatistik von Suriname noch nicht auf neueren Stand gebracht.

Vor kurzem hat die Regierung von Suriname Schritte unternommen, seine entstehende Tourismus-Industrie zu unterstützen. Mehr als 12% des Landes stehen nun unter Naturschutz – wenigstens auf dem Papier – des Weiteren hat die Regierung mit dem pharmazeutischen US-Unternehmen “Bristol-Myers Squibb“, zwecks biologischer Forschungen auf ihrem Gebiet, Verbindung aufgenommen. Es wird berichtet, dass den lokalen Bewohnern, laut Vereinbarung, Royalties für eventuell genutzte Drogen zufliessen werden. Ein führender Kopf von “Conservation International“, einem Unternehmen mit starker Präsenz im Land, schätzt, dass die Royalties aus dem Verkauf von Medikamenten bei weitem mehr für die Leute von Suriname bringen werden, als die Abholzung ihrer Wälder!